Palästina 36

Das Konstrukt Israel funktioniert nicht

Das ist der Schluss, den man aus diesem mit betörend einschmeichelnder Bildgestaltung und Regie faszinierenden Film von Annemarie Jacir ziehen kann.

Der Film spielt 1936/37, vor bald 90 Jahren, 20 Jahre nach der Balfour-Deklaration und zehn Jahre vor der Gründung des Staates Israel.

Es war schon 1937 schlimm genug, was der Film hier zeigt und die Schurken, das sind die Kolonialherren aus England. Wie soll sich da ein Staatskonstrukt, was auf diesen schlimmen Umständen gegründet worden ist, bewähren?

Jetzt, bald 90 Jahre später und 80 Jahre nach der Gründung des Staates ist alles noch viel brutaler geworden, allseitige Massenmorde und Gewaltexzesse (Terroranschläge und staatliche Racheakte) stehen auf der Tagesordnung.

Wie soll aus so einem misslungenen Konstrukt, mit ungleichen Rechten für ungleiche Bürger, je ein Segen für die einen wie für die anderen werden? Ein Konstrukt, was in seiner demokratischen Unwucht, zum Dauerantrieb einer Spirale der Gewalt wird?

Der Film versucht sich in Differenzierung. Bei den Engländern sowieso, da gibt es auch Gute. Aber auch bei den Palästinensern wird auf die sozialen Unterschiede hingewiesen, hier die Plantagengroßbesitzer, dort die armen Bauern, die die Pacht nicht bezahlen können. Auch das Thema des freiwilligen Landverkaufes, der durchaus auch eine Rolle spielte, wird bei einer Demonstration erwähnt als Negativaufforderung: kein Landverkauf. Diese gilt den eigenen Landsleuten. Oder auch der gekaufte islamische Rat.

Es gibt Figuren dazwischen. Yusuf vom Land heuert bei feinen Leuten in der Stadt als Chauffeur an, bei Amir Atef (Dhafer L’Abidine) und Frau Khouloud (Yasmine al Massri). Sie ist Journalistin mit Ethos. Er ist eine zwiespältige Figur, käuflich.

1936 wird der palästinensische Rundfunk eröffnet. Es ist die Zeit der britischen Kolonialisten. Die stehen hinter der Balfour-Deklaration und unterstützen die einwandernden Juden in der Landnahme. Die geht ruppig und mitunter gewaltsam vor sich.

Die Idee der Revolution und des gewaltsamen Widerstandes wird diskutiert. Was zur Aufrüstung und Verhärtung auf beiden Seiten führt und offenbar den Mechanismus in Gang setzt, der seither die Geschichte des Nahen Ostens prägt: wenn Waffenruhe ist, bereiten sich beide Seiten für den nächsten Waffengang, das nächste Bombardement, den nächsten Terroranschlag, den nächsten Massenmord vor.

Das Thema Siedlungsbau ist akut und brisant wie nie. Da sind inzwischen selbst blinde Unterstützer des Staates Israel nicht mehr amused. Über dessen Völkerrechtswidrigkeit herrscht kein Dissens in der internationalen Politik.

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