Wenn Seele nicht will –
ein Sportfilm, ein Coming-of-Age-Film
In Sportfilmen ist dramaturgisch als Spannungselement gerne eine Meisterschaft, ein entscheidendes Spiel, ein entscheidender Kampf gesetzt.
Der Film von Valery Carnoy, die mit Jacques Akchoti auch das Drehbuch geschrieben hat, spielt in einem Sportinternat. Camille (Samuel Kircher) ist der beste in der Boxergruppe. Er hat Talent, keine Vorbilder, er sucht die beste Position zum Angreifen, wie er in einem Interview sagt. Er ist eine Naturbegabung. Sein dickster Freund im Internat ist Matteo (Faycal Anaflous). Der ist nicht so talentiert, hat dafür Disziplinarprobleme.
Die beiden Kumpels lieben es, im ans Internat angrenzenen Wald Fleischstücke an Äste von Bäumen zu hängen, um anschließend Füchse zu beobachten, wie sie hochspringen, um sie zu erhaschen. Eine ganz besondere Seelenfreundschaft ist das.
Im Verhältnis zum anderen Geschlecht, was für die Jungs eine Rolle spielt, ist Camille Yas (Anna Heckel) aufgefallen. Die macht Taekwondo und spielt Trompete, sie hat eine ganz tiefe Stimme.
Bei einem Fuchsbeobachtungsausflug fällt Camille zehn Meter in die Tiefe. Er hat Glück, lediglich sein rechter Arm trägt eine Verwundung davon, die mit 50 oder 52 Stichen genäht wird und ungewöhnlich schnell heilt.
Aber etwas ist anders mit ihm von dem Moment an. Er hat Schmerzen, bleibt bei Kämpfen am Seil, er scheint Angst zu haben. Der Unfall muss etwas in seiner Seele durcheinander gebracht haben. Einmal spricht er von einem Trauma. Er funktioniert nicht mehr so, wie Trainer, Schule und die Mitschüler es gerne hätten.
Der Film beobachtet sensibel diese Krisen und die Reaktion der Umgebung darauf. Es kommt zu heftigen, auch physischen Auseinandersetzungen, zu Verwerfungen, ja bis hin zum Schulverweis.
In Camille setzt sich der Kämpfer durch. Den Schauspieler Samuel Kircher haben wir noch in bester Erinnerung aus Im letzten Sommer, auch als einen durchgeschüttelten Heranwachsenden.