Love Me Tender

Kinderschutz

ist ein schwieriges, ein delikates, ein sensibles Thema. Es geht um Menschen, die in der Phase der Prägung sind; es geht um mögliche Schäden in den Biographien der Kinder. Gesetze, Behörden versuchen das zu regeln. Ein oft höchst problematisches Unterfangen.

Constance Dedré hat über so einen Fall ein Buch geschrieben. Anna Cazenave Cambet hat es verfilmt in der Art, dass es scheint, als handle es sich um eine anekdotisch-autobiographische Geschichte. Sie ist aus der Sicht einer Frau geschrieben, die sowohl Mutter eines Kindes als auch Autorin ist, die die freie Autorenschaft dem erlernten Beruf der Anwältin vorzieht.

Clémence Delcourt (Vicky Krieps) hat 20 Jahre Ehe mit Laurent Lévêque (Antoine Reinartz) hinter sich. Der gemeinsame Sohn Paul (Viggo Ferreira-Redier) ist 8 Jahre alt. Die Ehe hat sich auseinander gelebt; auf eine Scheidung haben die beiden verzichtet. Sie haben ein Arrangement über die Fürsorgepflicht für den Sohn getroffen.

Eines Tages erzählt Clémence Laurent, dass sie ihr sexuelles Interesse den Frauen zugewendet hat. Sie betreibt die Dates lustig und munter, was dazu führt, dass Vicky Krieps eine lebenslustigere Rolle spielen darf als auch schon. Sie genießt ihr Leben.

Bei Laurent kommt das weniger gut an. Er kann damit überhaupt nicht umgehen. Er wiegelt den Sohn gegen die Mutter auf. Der lässt das mit sich machen, ist noch form- und beeinflussbar. Der Mutter bleibt nichts anderes übrig, als den behördlichen Weg zu beschreiten mit all seiner Langwierigkeit und seinen Komplikationen, die der Film ausführlich schildert.

Schutz durch Gesetze ist eben nicht nur Schutz, ist daraus abzulesen. Durch die Zähigkeit und Dauer der Verfahren kann die Entfremdung zwischen Mutter und Kind wachsen. Die Wiederannäherung in Anwesenheit von Fachleuten ist auch nicht leicht. Und wenn der Vater sich nicht an Vereinbarungen und richterliche Beschlüsse hält, so nützen diese erst mal wenig.

Der Film schildert einen möglichen Härtefall, den Kollateralschaden eines Gesetzes, was prinzipiell gut gemeint und im Interesse des Kindswohles gedacht ist. Es würde einen interessieren, was im Vater vor sich geht, was im Kinde. Aber der Film ist aus der Sicht der Mutter geschrieben, die das auch als Autorin zu bewältigen versucht.

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