Holy Mary – Wer glaubt an Marienerscheinungen? (BR, Freitag, 1. Mai 2026, 09.15 Uhr)

Wenn so eine Sendung wie diese von Tobias Henkenhaf und Kira Gantner unter redaktioneller Verantwortung von Sabine Winter öffentlich-rechtlich-taugliches Material sein soll, dann kann bald jeder sein privates Home- und Reisemovie von seiner privaten Campingreise (Papa mit zwei Töchterchen) an einen Pilgerort und angereichert mit Dokumaterial zur 100-Jahr-Feier von Lourdes, wovon sich genug auf Youtube finden lässt, und mit von KI bestimmt bereitwillig zur Verfügung gestellten Schnipseln von der Marienpilgerei allüberall, mit Aufrechnung der Zwangsgebühr öffentlich-rechtlich versenden. Da kann doch jeder gleich sein Programm machen, als Homevideo auf seinem Klo,als YouTube-Channel, da brauchen wir weder die Öffentlich-Rechtlichen noch deren Zwangsgebühren. Dann noch eine Irgend-Musik lieblos drübergelegt, darf auch mal ein Choral sein.

Und das alles, ohne auch nur einen Millimeter Erkenntnisgewinn zum Wesen der Marienverehrung, was nicht innert Minuten im Internet einsehbar wäre. Auch keine soziologische Einordnung. Dafür Blabla-Talking Heads (gerne auch berührt und gefühlsdusselig) und eine laienhafte Führung durch den Papa; der braucht nachher einen Schnaps und Töchterchen mit Bauchkrabbeln meint, ob er ein Fanboy sei.

Papa darf sich hinknien vor einem Bett, persönliche Ergriffenheit mimen und ein Tränchen verdrücken. Eine Wissenschaftlerin plappert etwas vom Blue-Print eines Marienwallfahrtsortes.

Wichtige Erörterung, ob bei einer Wallfahrerversammlung mehr Leute als bei einem Kickerspiel sind und Papa meint, in so einer großen Kirche sei er noch nicht gewesen, die sei ja riesig. Um solche Ergüsse zu finanzieren, zwingt mir der Staat die Rundfunkhaushaltsgebühr ab! (Weil, das ist für den Fortgang meines Lebens eminent wichtig, zu wissen, dass ein mir nicht näher bekannter Herr X, der mir am A. vorbeigeht, noch nicht in so einer großen Kirche gewesen sei). Sendezeit, Sendezeit, du bist so gar nicht kostbar.

Ein weiterer Beitrag zur Delegitimation eines sozial unfair zu Lasten einkommensschwacher Schichten zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkes. Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk selbst wollen wir den Wunderglauben lassen, mit solchen Sendungen seine eminent wichtige, demokratische Funktion wahrgenommen zu haben. Die AfD nimmt es wohlwollend zur Kenntnis.

Wer ist Anna Kemmer? Redaktionelle Mitarbeit, steht im Abspann; wenn sie schlau ist, wird sie später vielleicht sagen, hier habe sie gelernt, wie man es nicht machen soll.

Manche mögen bei so einer Pilgerfahrt den Glauben an Maria wiederfinden; wir selbst verlieren angesichts solcher Sendeformate endgültig das letzte Körnchen Glauben an eine demokratisch wichtige und wirksame Funktion dieses öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wem das in die Hände spielt, siehe weiter oben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

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