Rose

Diese Dualität der Menschen

Dass es die Menschen in grunsätzlich zwei Ausarbeitungen durch die Natur gibt, also als Männchen und Weibchen, das Genderthema mit seinen unendlichen vielen Varianten sei hier mal außen vorgelassen, und vor allem, dass sich der Mensch allein damit schon unendlich schwer tut, das erzählt uns Markus Schleinzer, der mit Alexander Brom auch das sehr ordentliche Drehbuch geschrieben hat, mit seinem in Schwarz-Weiß gedrehten Film.

Schleinzer erzählt es bedeutungsvoll (so hat er sich in seinem ersten Film Michael vorgestellt) und erzählt es in einer Art theatral-gemäldehafter Installation (was bei seinem zweiten Film Angelo aufgefallen ist).

Der Mensch möchte Gewissheit haben über die Geschlechtlichkeit des Mitmenschen, was er in der Hose hat, welchem Geschlechterklischee er sich fügt oder welches er proaktiv befördert. Wenn er darüber hinwegtäuscht, obwohl er seinen Mann stellt im Dorf und auch keinem wehtut damit, dann regt sich die Dorfgemeinschaft auf und bestraft ihn gnadenlos – und somit schadet in diesem Falle das Dorf sich selbst.

Es ist eine düstere, fast dogmatisch-doktrinär dozierte Kanzelpredigt.

Der Regisseur scheint einen Zugriff auf alles haben zu wollen. Stilisierung ist das A und das O und auch die Stärke des Filmes. Er ist damit frei von ablenkenden Kinkerlitzchen, von Bemühungen, einen Alltagsrealismus vorzutäuschen. Er konzentriert sich ganz auf die Geschichte. Selbst die Dialoge kommen überwiegend in einer sperrigen, gekünstelten Sprache daher, gesprochen von guten Schauspielern. Es gibt keine Privatismen in der Darstellung, was dem Film etwas Statisches verleiht. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch eine sich nicht bewegende Kamera und wenig Schnittfirlefanz. Alles streng und strikt; das verleiht der Angelegenheit etwas Sakrales.

Sandra Hüller spielt die Hauptrolle von Rose. Sie kehrt als Mann in das Dorf zurück, in welchem sie einen Bauernhof geerbt hat. Der ist unbewohnbar, Dach kaputt, verwahrlost. Sie krempelt die Ärmel hoch. Sie will das Erbe. Sie wird vom Dorf als Erbe anerkannt und auch als Mann. Niemand zweifelt daran. Erst recht nicht, wie sie sich einen Namen als Bärentöter macht. Sie verfügt über Geld, womit sie den Hof wiederaufbauen und in Betrieb nehmen kann. Sie bringt ihn zum Blühen und findet Anerkennung im Ort.

Der Großbauer (Godehard Giese) ist angetan vom jungen Mann. Er will ihn mit einer seiner Töchter verheiraten. Dafür bekommt Rose mehr Land zum Bebauen. Die Hochzeit mit Suzanna (Caro Braun) findet statt. Rose täuscht Penetration vor. Aber Suzanna wird tatsächlich schwanger. Wunder passieren in dunklen Zeiten.

Roses Geschlechtsgeheimnis wird trotzdem entdeckt. Das bringt Unruhe ins Dorf. Es will den Segen, den Rose gebracht hat, nicht mehr sehen, es fühlt sich getäuscht, hintergangen. Es wird ein Gerichtsprozess angestrebt. Der Richter (Sven-Eric Bechtolf) verurteilt die Angeklagte, Vorsicht Spoiler!, aber so überraschend dürfte das Urteil bei der konsequenten Düsternis der Erzählung nicht sein, zum Tod durch das Schwert. Einen markanten Auftritt legt Robert Gwisdek als Amtsmann hin, der die Verurteilte offiziell betreut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert