Die Europäer und Afrika
Ob das je was wird, also kulturell und menschlich, ob da je eine Selbstverständlichkeit möglich sein wird zwischen Europa und Afrika, allein schon wegen des immer noch nicht verdauten und befriedigend aufgearbeiteten Kolonialismus und erst recht nicht wegen dem nach wie vor grassierenden Rassimsus?
Der weiße, deutsche Filmregisseur Ulrich Köhler ist teils in Afrika aufgewachsen. Ihn lässt das Thema, wie miteinander auszukommen ist, nicht los.
Mit Schlafkrankheit hat er sich damit beschäftigt. Nach Ausflügen in andere thematische Regionen mit In My Room und Das freiwillige Jahr ist er jetzt wieder in Afrika gelandet, im Senegal. Aus der europäischen Kultur hat er die Medea von Grillparzer, was die Dichtung in Versen betrifft, und im Kopf hatte er Pasolini, was die antiken Bilder betrifft.
Ein Filmteam, der Stab überwiegend europäisch, die Darsteller überwiegend afrikanisch, will am Strand von Dakar die Medea verfilmen. Regie führt die Französin Caroline (Nathalie Richard). Sie will den Medea-Stoff modern, interkulturell und sowieso gegen den Strich bürsten.
Medea wird von Maja (Maren Eggert) gespielt. Ihre zwei Kinder sind zwei afrikanische Knaben. Nourou Cissokho (Jean-Christophe Folly) spielt Jason. Die Kinder sind mit der Mutter im antik geschmückten modernen Motorboot unterwegs. Man traut sich Stilbrüche. Wenn Flüchtlinge unterwegs sind, ist unter antikem Gepäck auch eine rosa Plastiktüte zu finden.
Die Regisseurin möchte nicht, dass Medea ihre Kinder tötet. Das führt zu einem erbitterten Streit zwischen ihr und der Protagonistin. Am Set herrschen deutliche Klassenunterschiede. Das zeigt die Szene, in der der Vater von Nourou (Roch Peton) verpflegt werden soll. Er wird irrtümlich den Komparsen zugeteilt. Die fordern mit einer Demo vor dem exklusiven Verpflegungszelt der Oberschicht Hähnchenschenkel, es kommt fast zu einer Revolution, die die Regisseurin mit einem beherzten Griff zur Platte mit den Hähnchenteilen verhindert.
Maja hat eine Affäre mit Nouru. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin kommuniziert sie per Skype.
Der zweite Teil des Filmes ist in Deutschland angesiedelt; auch das mag Ausdruck kultureller Unterschiede sein, denn wenn man in Deutschland dreht, gibt es dort extra Förderung. Also hat Ulrich Köhler sich entschieden, für die Premiere des Medeafilmes nach Berlin zu dislozieren mit seinem Team (zumindest auf der Produzentenseite ist wohl kein afrikanischer Name zu finden) und mit der Berlinale zu kooperieren, die ihm für eine Szene den roten Teppich samt Fotografen zur Verfügung stellt. Auch das Intercontinental Hotel muss angetan gewesen zu sein, dass dort Szenen gedreht werden sollten. Das Hotel wird fein raus sein bei der rassistischen Diskriminierung die Nourou bei seiner Ankunft mit einem polnischen Sicherheitsdienstmitarbeiter erlebt. Das wird zu einem mehrszenigen Strang der Premierenvorbereitung.
Diese wird erschwert dadurch, dass Nourou schlecht drauf ist. Er platzt im falschen Moment in die Wohnung von Maja hinein. Es scheint eine Liebe zwischen den beiden des Hin- und Hergerissenseins. Hinzu kommt, dass Nourou nach Berlin ziehen möchte. Die Anproben und Kostümvorbereitungen für die Premiere geben weitere Szenen her. Warum tun sich die Menschen so schwer, bloß weil sie verschiedene Hautfarben haben, verschiedene Sprache sprechen, wo sie sich doch schon schwer genug tun damit, dass es grundsätzlich schon mal Männchen und Weibchen gibt, abgesehen von der ganzen Vielfalt der Varianten?