Friendly Fire – Erich Fried

Wie ein Bewusstseinssturm

fegt diese wilde Bildercollage aus Schlagzeilen, Zeitereignissen, Statements von Verwandten, Bekannten und Nachfahren des Kultautors Erich Fried, in der Fragmentarik mit Aufbau von Lyrik vergleichbar, wie ein Stream of Consciousness eines Traumatisierten über die Leinwand.

Der Film fängt im Wien kurz vor der Machtergreifung der Nazis an und rast dann durch den weiteren Verlauf des Jahrhunderts bis zum Tod des Autors.

Der Film vom Sohn des Dichters, Klaus, der mit Julia Albrecht auch für die Regie zeichnet, sieht sich ausgiebig in der komplizierten Familie um, bringt Geschwister und Kinder, Halbgeschwister, Tanten vor die Kamera, aber auch das ehemalige RAF-Mitglied Astrid Proll, der Fried einst in England Unterschlupf gewährt hat.

Der Film scheint darauf geachtet zu haben bei der Verwendung von historischem Archivmaterial nicht auf die üblichen, allzu bekannten Bilder zurückzugreifen, sondern auf selten gezeigtes und wenn es sich um Propagandamaterial aus der Hitlerzeit handelt, so relativiert er es trickreich mit Überblendungen oder auch mal mit Rückwärtslaufenlassen.

Der Autor Erich Fried muss ein frühreifes Bürschchen gewesen sein, der schon als Sechsjähriger sich in die politischen Diskussionen der Erwachsenen eingemischt hat. Das Trauma des Holocaust ist omnipräsent. Aber Fried warnt früh davor, bei der Gründung des Staates Israel, dass dieser nicht selber zum Terrorstaat werden soll; was leider eingetroffen ist und sich gerade jetzt in der weitgehenden Plattmachung des Gazastreifens und in weiteren Gewaltexzessen wie in Iran und Libanon furchtbar gezeigt hat. Die Opfer sollen nicht zu Tätern werden.

Teils ist Fried vorgeworfen worden, sein Ziel sei, mit allen zu reden, gerade auch mit Radikalen wie mit dem Neonazi Michael Kühnen. Da war Heiner Müller anderer Meinung. Ein Film, der die grauen Zellen und jene der Erinnerung massiert und kitzelt. Vieles hat man als Zeitgenosse miterlebt. Und die Ohren werden bei den heftigen Musikeinsätzen auch nicht dösig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert