Buschi-San
nennt Herr Kitamura (Kanji Tsuda) aus Japan seinen Freund Stefan Busch (Aladdin Detlefsen), der ihm in Köln zu- und nachgelaufen ist und Herr Kitamura hat sich nicht gewehrt dagegen; was in ihm vorgeht, versteckt er hinter einer dunklen Sonnenbrille. Er ist ein Einzelgänger in der japanischen Reisegruppe, mit der er Sehenswürdigkeiten in Deutschland und in der Schweiz besucht.
Buschi-San lebt wegen Trisomie in einem Heim für Behinderte. Er wird inszeniert als der Stoische, der kein Wort sagt, man könnte in ihm einen asiatischen Kämpfer sehen. Entsprechend wird auch Herr Kitamura eingesetzt. Auch der redet wenig, lieber über seine Origami-Frösche.
Es scheint, dass Thomas Stuber (Spuk unterm Riesenrad, Herbert, In den Gängen, Die stillen Trabanten), der mit Gotthard Kuppel und Hyoe Yamamoto auch das Drehbuch geschrieben hat, eine Culture-Non-Clash-Komödie nach den Grundsätzen eines absoluten Liebhaberkinos inszenieren wollte.
Das zeigen die ersten beiden Szenen. Die erste spielt im Japan. Hier lebt Herr Kitamura mit seiner Mutter. Das Interieur und die Wohnlichkeit sind verblüffend austauschbar geschildert zu den ersten Bildern von dem Heim in Köln. Lauschige Hinterhöfe, liebevolle Bepflanzung, Vorsprünge und Terrassen. Beides angenehm kuschelig und non-aggressiv, kleinteilig wohnlich.
Die Dialoge sind gestrafft und reduziert. Warum Herr Kitamura diese geführte Gruppenreise mitmacht, bleibt im Dunkeln, wie so vieles an den Handlungen der Personen, da bleibt die Nachvollzugslogik oft stecken.
Vielmehr scheint es, dass Thomas Stuber mindestens ein Grundregel eines soliden Erzählkinos zugungsten einer Märchenhaftigkeit über Bord wirft, dass er zielbewusst gegen jene oberste Maxime filmischen Erzählens verstößt, nämlich dagegen, die eigenen Darlinge zu killen; im Gegenteil, der Film scheint eine Aneinanderreihung von Darlingen des Regisseurs zu sein, die Protagonisten anhand eines lockeren Road-Movies mittemang, Szenen, die ihm einfach gefallen, logische Heranführung ist ihm egal.
Das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar hat es ihm angetan, der Rheinfall bei Schaffhausen, Bern und die Aare und die Gassen. Um von Weimar dorthin zu gelangen, lässt Stuber die Busfahrerin Toprak (Meltem Kaptan), die Busreise verlassen; sie nimmt bis Dresden auch noch die beiden Ausgebüxten Herrn Kitamura und Buschi-Sen mit. Lädt sie dort, weil es so schön ist, nicht unbedingt logisch oder zweckmäßig, unter einer Brücke im Niemandsland ab, wo man vermutlich mit dem Auto so gar nicht hinfahren dürfte oder könnte.
Die Betreuerin (Bettina Stucki) setzt Stuber in eine Taxe zur Verfolgung der Reisegruppe mit ihrem abhanden gekommenen Schützling mit 300 Euro, obwohl die Fahrt 800 kostet und der Taxifahrer setzt sie in Weimar ab, ohne bezahlt worden zu sein, krass kontra Realität. Abgerechnet wird nie. Und plötzlich ist die Betreuerin in der Schweiz. Dieses Liebhaberhafte macht wiederum einen gewissen Charme des Filmes aus.
Bei der Musik scheint es sich ebenfalls um eine Aneinanderreihung von Darlings des Regisseurs zu handeln, bunter Mix aus Erfolgsstücken verschiedener Genres, wie er gerade lustig ist.
Ab und an fragt man sich schon angesichts diese Potpourris an Darlings, die normalerweise gekillt gehören bei ernsthaftem Kino, warum so viele Fernsehanstalten und Förderer da mitgemacht haben. Was will uns Stuber erzählen? Dass Filmförderer aller Gattungen gerne Geld geben, wenn ein paar schöne Bilder von Köln, Weimar oder Bern oder das empfehlende Rezept der Thüringer Bratwurst abfallen? Oder dass sie es toll finden, dass weder ein Inklusions- noch ein Cultureclash stattfindet, weil die Protagonisten so ähnlich gezeichnet werden, das der Film aber als nette Idee durchgängig aufzeigt? Macht sich Stuber vielleicht gar lustig über ein Fördersystem, das geradezu nach solchen Bildern lechzt? Japaner in Deutschland, Trisomie, zwei Menschen, die sich über die Grenzen hinweg praktisch stumm oder über Papierfrösche verstehen?