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Das Internet und die Moral

Das Internet kennt keine Moral; es lässt alles durch, Fake News, Shit Storms, Denunziationen, Kriminelles, Verbrecherisches, Abscheuliches. Unsere Gesellschaft hat noch keinen zufriedenstellenden Umgang, gerade auch im Hinblick auf die Demokratie, gefunden. Sie sucht noch. Sie versucht den Anstand ins Internet zu bringen.

Als so einen Versuch kann sicher auch dieser Film von Uta Briesewitz nach dem Drehbuch von Matthew Nemeth gewertet werden. Ein gut gemeinter, ein ehrenwerter Versuch. Aber wen will er erreichen?

Die Internet-Übeltäter werden sich das gewiss nicht anschauen und dann sich bessern, das ist eher nicht zu erwarten. Und die moralisch Sauberen, die brauchen das ja nicht. Vielleicht die Besorgten, Eltern, Jugendschützer? Ok, die dürften aber Bescheid wissen.

Das Drehbuchkonstrukt zentriert sich um Daisy (Lili Reinhart). Die arbeitet bei der Firma Paladin. Das ist eine Firma, da sitzen in langen Reihen vor Bildschirmen jüngere Leute mit Kopfhörern auf. Sie müssen problematische, also gemeldete, Internetclips beurteilen, ob sie gelöscht gehören, weil sie die moralischen Standards verletzen, oder ob sie bleiben dürfen.

Es heißt ausdrücklich, sie seien keine Zensoren, sondern Moderatoren. Sie bekommen Grausames zu sehen. Es ist psychologische Beratung vorgesehen, wenn die Moderatoren mit verstörendem Content nicht zurechtkommen.

Daisy wird besonders gemartert von einer sadistischen Szene, bei der auch der Täter zu sehen ist. Sie will ihn ausfindig machen. Ihr Kollege Paul (Jeremy Ang Jones) ist fit in Gesichtserkennung und hilft ihr. Als Spannungsmoment versucht das Drehbuch noch das neunjährige Nachbarskind Violet (Faith Delaney) einzubauen.

Die Chefin von Daisy ist Joy, die deutsche Schauspielerin Christiane Paul, der man ein besseres Drehbuch für so einen internationalen Film gewünscht hätte. Daisy hat selber eine merkwürdige Affäre und die wird schön prüde filmisch gezeigt, man steigt für den Sex mit Unterwäsche ins Bett.

Welchen moralischen Anspruch der Film nun so fett vor sich herträgt, wird nicht ganz klar, ob er Mitleid mit den Moderatoren hat, gar mit den Opfern, oder wen er vor den Gefahren des Internets warnen will.

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