Faszination Geburt
Die Geburt ist ein Ereignis, was einem ein Leben lang nachhängt. Jedes Jahr feiert man diesen Tag, ständig muss man auf irgendwelchen Formularen sein Geburtsdatum eintragen, auf dem Grabstein wird zumindest das Jahr vermerkt, zu schweigen von der Beziehung zur Mutter, von der man sich rein physisch in dem Moment zwar löst, aber ….
Ein eminent wichtiges Ereignis, was seinen dramtischen Niederschlag gerne in fiktionalen Filmen findet. Die Schauspielerinnen schreien dann aus Leibeskräften, es geht hochdramatisch zu und her, zuletzt Marie Leuenberger in Mutterglück. Oder, ebenfalls ab heute im Kino, die Influencerin in Babystar.
Einen unaufgeregteren Zugang zu diesem elementaren Menschenthema sucht Nicole Scherg auf ihrer Reise durch fünf Länder in drei Kontinenten, Äthiopien, Marokko, Nepal, Österreich und Brasilien. Bei ihr sind die Hebammen die Protagonistinnen.
In den Spielfilmen sind sie die Hebammen meist unbedeutende Nebenrollen, hier bei Nicole Scherg sind sie die Hauptfiguren. In allen fünf Ländern hat sie eine Hebamme gefunden, die bereit war, sich für einen Film porträtieren und begleiten zu lassen, Einblick in ihren in jedem Falle geliebten und ausdrücklich gewünschten Beruf zu gewähren.
Was in erster Linie auffällt: mit welcher Konzentration und mit welchem Ernst, mit welcher Unaufgeregtheit sie ihre Tätigkeit ausüben. Wie sie genau die Schwangeren studieren, sich um sie kümmern, sie liebevoll beraten.
Der Film zeichnet nicht nur ein Postkartenbild des Berufes. Es kommen auch schwierige Situationen vor, Komplikationen. Einige Geburten werden ausführlich gezeigt, die ganz ruhig mit Atmen, Pressen, Ruhen, Vorbereiten der nächsten Wehen und mit gar nicht allzu lauter Stimme verlaufen.
Vom medizinischen Standpunkt her scheint es inzwischen einen weltweiten Standard zu geben. Da fallen mir jedenfalls keine grundlegenden Unterschiede auf, auch beim Thema Verhütung, Abtreibung, Kaiserschnitt. Die Väter können zugegen sein. Es werden Fotos gemacht, Nabelschnüre durchschnitten.
Eine Hebamme berichtet allerdings auch davon, dass ihr Familienleben unter den unregelmäßigen Einsätze litt, dass sie nicht genügend Zeit für ihre eigenen Kinder nehmen konnte. Eine andere erlitt sehr früh eine Totgeburt, dann hat es nicht mehr geklappt. Aber sie scheinen alle glücklich und erfüllt von ihrem Leben als Geburtshelferinnen. Am Schluss gewährt der Film private Einblicke bei seinen Protagonistinnen.