Vom Widerspruch zwischen Gerechtigkeitssinn und Feudalismus
Gerecht möchte man gerne sein, aber der Feudalismus – in diesem Film von Simon Baumann bezieht er sich auf die Erblichkeit von materiellen Gütern wie Häusern, Grundbesitz – hat schon seinen Reiz, auf den man nicht gerne verzichtet, oder man behilft sich mit der Begründung, dass ein Erbe zur Pflege und Wartung auch Aufwand verlange.
Das Erbe, um das es hier geht, und das auf den Dokumentaristen und seinen Bruder Kilian zukommt, respektive, über dessen Verwendung im Film diskutiert wird, ist enorm: 70 Hektar Land in Südfrankreich, Häuser und Stadel, Hecken, Wege, Landwirtschaftsmaschinen.
Es ist der Besitz der Eltern Stephanie Baumann-Bieri und Ruedi Baumann. Die beiden waren in den 70er Jahren bekannte Politiker in der Schweiz und Medienfiguren. Der Dokumentarist erwähnt, dass sehr früh schon das Fernsehen immer wieder bei ihnen aufgetaucht ist. Das ergibt apartes Archivfootage, auch aus heftigen Debatten über Ökologie und die Zukunft der Landwirtschaft.
Simon und sein Bruder wohnen mit ihren Familie nach wie vor in der Schweiz. Der Bruder hat die elterliche Landwirtschaft übernommen, der Dokumentarfilmer selbst hat eine schöne alte Mühle geerbt.
Besitz ist also da in der Familie. Jetzt geht es um die Zukunft des Anwesens in Südfrankreich. So gern der Vater Traktor fährt und als Landwirt aktiv ist; das Alter macht sich bemerkbar. Vor allem die Mutter macht sich Sorgen, wie das weitergehen soll, besonders, falls Krankheit und Pflegbedürftigkeit eintreten.
Der Film dokumentiert die innerfamiliäre Diskussion, wie mit diesem Erbe umzugehen sei. Verständlich, dass es den Eltern lieb wäre, wenn es in der Familie bliebe. Die Söhne aber mit ihren Familien wiederum haben kein Interesse oder keinen Grund, die Verwurzelung in der Schweiz aufzugeben. Eine einfache Lösung ist nicht in Sicht.