Die reichste Frau der Welt

Schlechter Benimm

Dieser Film von Thierry Klifa, der mit Cédric Anger und Jacques Fieschi auch das Drehbuch geschrieben hat, ist ein Film über den schlechten Benimm des Fotografen Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) der Milliardärin Marianne Farrère (Isabelle Huppert) gegenüber.

Der Film orientiert sich an einer wahren Begebenheit, an Liliane Bettencourt, und ihren Skandalen. Wohlweislich werden die realen Vorbilder hier mit anderen Namen versehen.

Thierry Klifa nimmt sich den Aspekt des Verhältnisses zu dem rüpelhaften Fotografen vor, der die Zuneigung der Milliardärin gewinnt und Leben in ihr steriles Dasein mit Ehemann Guy (André Marcon) bringt.

Der Fotograf lebt mit seinem Lover-Man Raphael (Joseph Olivennes) zusammen. Er muss also nicht mal eine Seitensprunggeschichte initiieren.

Eng in Familie und Geschäftsführung eingebunden ist Tochter Frédérique (Marina Fois) mit Ehemann Jean-Marc (Mathieu Demy) und Sohn Raphael (Joseph Olivennes). Oma schenkt dem Enkel zur Bar-Mitzwa, der Schwiegersohn ist jüdischen Glaubens, einen Scheck über eine Million. Das sieht die Tochter nicht gerne; die Familie ist bislang als funktional dargestellt worden ist.

Die Summen auf den Schecks, die Marianne an ihren Bespaßer ausstellt, werden immer erklecklicher und ihre Entourage, speziell die Tochter, sehen das mit Stirnrunzeln. Für sie stellt es sich so dar, als sei ihre Mutter blind dem Fotografengegenüber, als könne er mit ihr machen, was er wolle. Das löst dramatische Entwicklungen aus, die der Film mit Rück- resp. Vorblenden selber spoilert, mit Polizeieinsatz, Verhaftungen, Durchsuchungen. Dabei spielt eine entscheidende Funktion der smarte Hausdiener Jérôme Bonjean (Raphael Personnaz).

Es ist ein leiser Film ganz ohne Dauersoundberieselung auf der Tonspur, der nur gelegentlich mit ein paar reservierten Streichertönen dem Milieu einen gediegenen Anstrich verleiht.

Mein Problem mit diesem Film ist sein primärer und zentraler Fokus auf dem schlechten Benimm des Fotografen; das ist eine inhaltlich dünne Angelegenheit; so gerne sicher mancher zuschaut, wie eine reiche Dame sich ausnehmen lässt (es waren ja nicht nur Schecks, sondern auch Gemälde, Immobilien, eine Insel, alles zusammen mit einem geschätzten Wert von um eine Milliarde herum).

Das andere ist das Spiel von Isabelle Huppert. Sie spielt zwar großartig wie auch schon, die Diva, den Hollywood-Vamp, dazu noch blass geschminkt und blasiert im Gehabe; das drückt für mich aber nicht die Macht aus, mit der ihre Position und ihr Besitz sie ausstatten.

Der Film ist eine Chronik, wie ein Lump eine reiche Frau ausnimmt und den lässt der Darsteller Laurent Lafitte dick und direkt raushängen.

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