Die Frauen im Sudan sollen selbst bestimmen,
das ist die Message dieses vielseitig, auch vom deutschen Fernsehen, geförderten Filmes. Es scheint sich um so einen typisch interkulturell wohlgemeinten Film zu handeln. Die aktuelle, grauenhafte politische Situation im Sudan bleibt außen vor; dass der Film in der Heutezeit spielt, zeigt die unvermeidliche Präsenz von Handys und Smartphones.
Idyllische Bilder vom Nil, einem armen Dorf, Palmen, Lehmhäusern, Eseln, Baumwollfeldern und ärmlich eingerichteten Innenräumen dominieren. Es wird eine Geschichte erzählt, die erfunden sein mag oder auch sich auf vorhandene Geschichten stützt, die noch mit dem Kolonialismus zu tun hat.
Die Chefin im Dorf und Besitzerin sämtlicher Baumwollfelder ist Al-Sit (Rabha Mohamed Mahmoud). Sie ist die Oma der Protagonistin Nafisa (Mihad Murtada). Sie ist Herrscherin, Heilerin und Heldin des Dorfes. Ihr Gesicht und ihre Hände sind übersät mit Narben. Sie erzählt, wie sie ganz jung einen britischen Kolonialherren ermordet habe. Die Villa am Ortsrand steht leer; ein Geisterhaus.
Nafisa schreibt Gedichte und ist verliebt in Babiker (Talaat Fareed), einen hübschen Burschen aus dem Dorf, der ein kaputtes Segelschiff hat und der, wie die Mädchen behaupten, nach Zwiebeln stinke.
Oma hat andere Pläne mit Nafisa. Sie will sie an einen Geschäftsmann verheiraten, der die Kolonialvilla gekauft hat. Er experimentiert mit genmodifizierter Baumwolle.
Der Film schildert atmosphärische Dorfsituationen; es ist eine extensive Erzählweise; am Nil hat man Zeit. Es geht um traditionelle Gerichte, um Heilmethoden, um Hokuspokus für Glück und Liebe. Man sieht aber auch die Mädchen beim Baden im Nil. Es gibt eine Frauwerdung zu erleben und die Glückwünsche der anderen jungen Mädchen, das Schmücken der Frau zur Baumwollbraut.
Auch um die Prahlgeschichten der Oma werden in der alten Villa anhand von Zeitschriften Geheimnisse gelüftet; was es mit der Cotton Queen auf sich hatte; das Thema Wahrheit und Lüge blitzt auf.
Und es gibt Träumereien von Amor. Lauter Dinge, die öffentlich-rechtliche Fernsehredakteure restlos beglücken dürften; umso mehr als auch noch ein aufklärendes Kasperlstück aufgeführt wird, in welchem eine junge Frau sich dagegen wehrt, zum Schutz vor Männern zugenäht zu werden.