Ein verflixt delikates Thema
hat sich Julia Roesler für ihren Film vorgenommen und diesen zudem als expliziten Themenfilm verstanden.
Dieses Thema ist Sex und Menschen mit Behinderungen, eingegrenzt auf den Bereich sexueller Übergriffigkeit von betreuendem Personal an seinen Schützlingen.
Luisa (die fabelhafte Celina Scharff) lebt in einer Wohngruppe. An den Tag kommt der Übergriff, weil daraus eine Schwangerschaft resultiert. Ohne diese wäre der Missbrauch vielleicht nie ruchbar geworden, denn so selbstverständlich darüber reden kann sie nicht.
Für Außenstehende ist nicht einmal klar, ob sie das als negativ oder als positiv empfunden hat, wie ihre Eltern später diskutieren werden.
Es ist ein diffiziles Thema aus mehreren Gründen. Die Behinderten können oft schwer über solche Dinge reden, haben vielleicht nicht einmal ein explizites Bewusstsein von Sex und sexueller Lust. Andererseits ist die Beziehung zwischen dem betreuenden Personal und den Schützlingen sehr intim. Sie brauchen Hilfe in vielen Lebenslagen, die Menschen ohne Behinderung selbstverständlich und allein meistern, beim Waschen, Duschen, beim Anziehen, beim Zubettgehen, manche auch beim Essen, sie können nicht autofahren. Das stellt eine extrem intime Nähe zwischen den Betreuern und den Menschen mit Behinderung her.
Und wenn überhaupt, wie im Fall von Luisa, Anzeige gegen Unbekannt erstattet wird, so tut sich die Polizei mit ihren konventionellen Befragungsmethoden außerordentlich schwer, ja, ohne Kommissar Zufall passiert gar nichts.
Der Film strahlt eine ungewöhnliche Authentizität aus, weil etwa die Hälft der Darsteller Menschen mit Behinderung sind. Der Film schildert den Alltag in so einer Einrichtung und offenbart dabei, die oft möglicherweise verführerische Nähe zwischen den Geschlechtern und den Funktionen, die sie zusammenbringen.