Comedy auf Bestellung (BR, Freitag, 17. April 2026, 22.00 Uhr)

Do schaugst!

Mei, was es alles gibt beim Pfründenfunk. Was die sich alles einfallen lassen, um wenigstens ihr verbliebenes Gewohnheitspublikum irgendwie bei der Stange zu halten. So ein Publikum scheint es zu geben, das scheint auch nicht ganz auszusterben. Es scheint noch ein Publikum zu geben, bei dem es was gilt, wenn man am Fernsehen kommt oder wenn das Fernsehen zu einem kommt. Und für dieses Publikum gibt es auch noch Stars, Comedians heißen die hier. Die sollen die Leute zum Lachen bringen in diesen düsteren Zeiten. Lustigkeit auf Bestellung.

Da kommt dann so ein fernsehbekannter Comedian nach Ingolstadt oder nach Bamberg. Dort freuen sich Vereine darauf, die den Comedien ganz einfach „bestellen“ können, so wie eine Pizza oder Dinge über Internet und DHL; Comedian wird abgeliefert. Interaktives oder vielleicht auch: betreutes Fernsehen, jeder einzelne Zuschauer will wie im Pflegeheim betüdelt und bezirzt werden. Ja, die dürfen den Comedians sogar eine Aufgabe, modern-Bayerisch: eine Challenge, stellen.

Der Blindenfußballverein aus Ingolstadt bestellt Michael Mittermeier. Er muss bei denen mit Augenbinde blind Fußball spielen und soll nachher im Studio unter Anwesenheit von Vereinsmitgliedern und Studio-Gästen einen Comedy-Gig zum Thema Blindheit bieten.

Es gibt eine Rahmenhandlung. Comedian Mittermeier und Comedian Simon Pearce sitzen in einem Minikino und unterhalten sich über ihre Auftritte. Mittermeier gibt einen Einblick in seine Comedy-Werkstätte, dass er bei der Witzsuche durchaus Google verwendet; und bestimmt inzwischen auch KI.

Simon Pearce wird von einem Kneipenchor in Bamberg eingeladen. Er zeigt auf der Straße, wie lustig und beliebt er ist, da kriegen Zuschauer glänzende Äuglein, wenn sie den Fernsehstar lebendig vor sich sehen. Das sind so beinahreligiöse Erlebnisse, vergleichbar einer Marienerscheinung in vergangenen Zeiten.

Eigentlich auch nur ein Hokuspokus und manche verdienen ganz schön von den Gebührengeldern dabei. Vielleicht auch dank der Eigenschaft des Pfründentums. Oder können die Zuschauer jedweden Comedian ihrer Wahl beim BR bestellen und der käme damit zu einen Fernsehauftritt, selbst wenn er kein BR-Comedian wäre? Womit der Pfründenverdacht ganz easy ausgeräumt wäre.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

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