Gepflegtes internationales Kino aus Frankreich
Es ist ein Kino, was sich im Graubereich des menschlichen Hirns von Spekulation, Vermutung, Überhitzung, Angst und Fantasie bewegt. Es spielt im Kreis um die Psychoanalytikerin Lilian Steiner (Jodie Foster). Sie spricht tadellos französisch, gibt aber zu verstehen, dass sie ursprünglich aus Amerika kommt. Also schon mal ein stimmiger Mosaikstein in dem Puzzle, das der Film von Rebecca Zlotowski, die mit Anne Berest auch das Drehbuch geschrieben hat, dem Zuschauer serviert.
Eben martert Lilian Steiner der offenbare Selbstmord ihrer Patientin Paula (Virginie Efira). Tochter Valérie (Làna Bajrami) informiert die Ärztin und sie möchte doch vorbeikommen. Dieser Tod treibt sie um. Ist es wirklich ein Selbstmord?
Das Hirn von Jodie Foster arbeitet und kommt nicht zur Ruhe. Sie sucht eine Hypnotiseurin (Sophie Guillemin) auf. Hier steigt sie in weitere Tiefen von sich und der Patientin hinab, öffnet Türen, findet sich in einem Orchester wieder samt der Patientin.
Was Träume so entwickeln. Deutschland, die Nazizeit und das Judentum tragen weitere Steine zum Puzzle bei. Die eigene Familie vernachlässigt Steiner, ihren Sohn Julien (Vincent Lacoste), obwohl der doch selbst schon niedlichen Nachwuchs hat.
Unterm Vorwand, sie brauche eine Kontrolle, meldet sie sich bei ihrem Ex, dem Augenarzt Gabriel (Daniel Auteuil). Damit macht sie einen ersten, von ihm erwarteten Schritt zur Wiederbelebung der Beziehung. Ihre Fantasie um den möglichen Mordfall rattert weiter. Rattert noch heißer, wie bei ihr eingebrochen und Tonkassetten, auf denen sie die psychoanalytischen Gespräche aufgezeichnet hat, gestohlen werden. Darauf folgen Aktionen mit ihrem Ex, die man bei einem jungen Paar als „Pferde stehlen“ bezeichnen würde, sie lancieren selber einen Einbruch.
Es ist ein gepflegtes internationales Kino, was einem noch ein paar Rätsel mit auf den Heimweg gibt und trotzdem leicht verdaulich ist, und man fragt sich, ob es vielleicht sowieso nur um die Krise einer geplagten Psychiatrin geht oder ob sie womöglich selbst an einer bei ihren Patienten gerne diagnostizierte dekompensierten Persönlichkeitsstörung leidet.