Ernstes Thema –
Heitere Behandlung
Zusatz zum Titel:
„Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat.“
Wohin mit den Alten? Das Problem ist vielleicht auf dem Mehrgenerationenbauernhof mit dem Austragshäusel für die Alten gelöst. In den Städten mit dem beschränkten Wohnraum nicht. Die Lösung, die der japanische Film Die Ballade von Naraama von Shohei Imamura vorschlägt, ist für uns ethisch nicht akzeptabel.
Bei uns gibt es die Altenheime, im Geldfalle allenfalls die Altersresidenzen. Oft werden die Leute aus ihren Wohnung unsanft herausgerissen, weil diese renoviert und dann viel teurer vermietet oder gar abgebrochen werden. Das Thema ist ein sozialer Dauerbrenner.
Kürzlich ins Kino gekommen ist Calle Málaga. Eine ähnliche Ausgangslage zeichnet Bernhard Sinkel in seinem Film von 1974. Lina Braake (Lina Carstens) wird wegen des Todes des Besitzers von der Bank aus ihrer Wohnung geworfen. Die Bank hält sich nicht an das Versprechen des lebenslangen Wohnrechtes. Auch der Justiz gegenüber ist Lina machtlos. Die Bank übernimmt die Kosten für den Umzug in das protzige Altenheim Rottmannhöhe am Starnberger See.
Der Chef (Herbert Bötticher) ist ein kleinkarierter Rechner. Lina wird in ein enges Vierbettzimmer gesteckt. Sie fremdelt. Durch den Kontakt mit dem vigilanten Heimbewohner und Gauner Gustaf Haertlein (Fitz Rasp) kommt sie auf Ideen. Über das Monopoly-Spielen bringt er ihr die Grundlagen des Kapitalismus bei.
Ein weiterer Verbündeter bei dem Plan, den sie aushecken, ist Hausmeister Jawlonski (Benno Hoffmann). Der Sardinier Ettore (Teseo Tavernese) bringt Lena auf die Idee, wohin mit dem Geld, was sie der Bank abzuluchsen im Sinn hat.
Der Film hat 50 Jahre auf dem Buckel. Diese Filmkostbarkeit im Kino zu sehen, ist ein exklusives Erlebnis. Es ist der Blick in eine andere Zeit, in eine andere Filmkultur, in eine andere Schauspielerkultur, bei der Sprechen noch Sprechen und nicht Nuscheln war, ohne gleich in die Leier zu verfallen.
Es scheint, die haben mit einem anderen Ernst gespielt und dadurch mit einem ganz besonderen Charme. Das mag mit den Medien zusammenhängen, mit der heutigen Allverfügbarkeit der Bilder, damit, dass die Schauspieler wie zu Allgemeingut werden, indem sie ihr Leben über die Kanäle der Social Media billig und für jeden greifbar machen.
Es ist auch aufschlussreich zu sehen, wie damals ein brisantes, soziales Thema, Wohnraum, Pflege, kapitalistisches Bankgebaren, humorvoll, fast zärtlich behandelt wurde, ohne daraus gleich einen drögen Themenfilm zu machen, wie inzwischen bei den Öffentlich-Rechtlichen gang und gäbe. Nostalgikum: da gab es noch den eurocheque, „Der Scheck ohne Grenzen“.