Entführung/Verführung Kino
Der Film, resp. die zwei Filme, hatte Quentin Tarantin, der mit Uma Thurman auch das Drehbuch geschrieben hat, in den frühen Zweitausendern herausgebracht für die Leute von damals, für die Sehgewohnheiten von damals.
Die dürften sich seither um einiges geändert haben. Die ändern sich gerade rapide dank der technischen Entwicklungen und auch dank der Allherstell- sowie Verfügbarkeit der Bewegt-Bild-Welt.
Insofern ist der Film ein absolut sehenswertes Museum. Wenn das mal kein Kino der Sonderklasse ist, wenn man in der Pause in den Innenhof des City-Kinos tritt und sich total wundert, in welcher Welt man gelandet ist, weil einen der Tarantino so gefesselt hat.
Es ist ein deutlicher Unterschied zwischen den zwei Teilen, die als je einzelne Filme ins Kino gekommen sind. Der erste Teil ist der Bilderrauschteil, der Actionteil, im zweiten wird mehr diskutiert und reflektiert, wird die Vorgeschichte zu Teil Eins aufgedröselt, das Verhältnis von der Braut (Uma Thurman) zu Bill (David Carradine). Er ist ein Kung-Fu-Kämpfer, sie eine Killerin in eben dieser Kampfart.
Ausgangspunkt ist das Hochzeitsmassaker im Kirchlein von Two Pines. Alles Anwesenden tot. Die Braut, also Grace, kommt ins Krankenhaus. Sie ist schwanger und liegt im Koma. Wie sie nach Jahren aufwacht, will sie Rache nehmen an der Gang.
Tarantino erzählt das im Stil einer Ballade und den entsprechend angekündigten Kapiteln, die die Mörder samt Namen und Spitznamen vorstellt. Die Musik betont den ergötzlichen Schaudercharakter der Erzählung. Tarantino benutzt gelbe Untertitel, eine Hommage an das Giallo-Genre.
Tarantino erzählt eine Schaudergeschichte von Rache; faszinierend, welches Bildmaterial er dazu bereitstellt und wie er es montiert, absolut fesselnd; man kommt ihm nicht aus.
Die Basisgeschichte erzählt Tarantino in Schwarz-Weiß. Es folgt der Farbenrausch, der Blutrausch, der Kampfrausch, besonders der Samuraikampf mit dem Schwert. Uma Thurman als Protagonistin drückt dem Film einen ganz eigenen, besonderen Stempel auf. Der Film ist Kinji Fukusaka gewidmet, dem japanischen Filmemacher. Im ersten Teil gibt es eine Sequenz, die in der Art der japanischen Animes gezeichnet ist.