Trans im Schwabenland
Erst denkt man, nicht schon wieder, immer dieses Transthema; aber schnell stellt sich heraus, dass Douglas Wolfsperger die Optik auf das Thema unterhaltsam ein Stück weiterdreht, dass er ihm unerwartet köstliche Momente abgewinnt.
Da ist nicht nur der Gegensatz zwischen dem putzigen, barocken, lieblichen Schwabenland, das schwäbische Meer zu seinen Füßen und mittendrin zwei Menschen, die im falschen Geschlecht geboren worden sind. Sie haben 40 Jahre Leidenszeit hinter sich, die eigenen seelischen Qualen, das Mobbing dann die Operationen.
Jetzt ist sie Elisabeth, arbeitet in einem handwerklichen Männerberuf, repariert den eigenen VW-Bus, wohnt mit ihrer Freundin Dunja zusammen, geht mir ihr händchenhaltend spazieren, auch wenn Dunja noch nicht so viel Frau ist, die Körbchengröße lässt zu wünschen übrig und Elisabeth muss noch ein ganz klein wenig rasieren trotz Laserbehandlung der Haut. Aber sie fühlt sich wohl, muss nicht mehr versteckt vor der Öffentlichkeit auf dem Kreuzweg sich in Frauenklamotten ausprobieren.
Elisabeth versteht sich gut mit Bäcker Stefan, der scheint nicht so ganz verbohrt, wundert sich über die Probleme der Menschen mit der Geschlechtlichkeit. Ihm kann sie auf einer Art Hollywoodschaukel herrlich über ihre ersten Orgasmen als Frau vorschwärmen und wie die in keiner Weise mit jenen eines Mannes zu vergleichen seien.
Mit der Freundin paddelt Elisabeth auf dem Bodensee und fällt auch mal ins Wasser. Sie lebt ihr Leben, der Titel des Filmes ist ein Zitat von ihr und auch dieses, dass wenn sie eines Tages vor den Schöpfer treten würde, dann setze es erst mal ein kräftiges Gewitter, weil er sie im falschen Körper hat auf die Welt kommen lassen.
Gabriel ist den umgekehrten Weg gegangen. Er ist heute ein sportlicher Mann mit kräftigem Bartwuchs. Unter der Männerbrust zeigen sich zwei breite Narben, Erinnerungen an das Wegoperieren der Brüste. Er lebt mit einer Frau zusammen, die für ihn ihren eigenen Mann und die Kinder verlassen hat. Liebe schaut nicht unbedingt auf Äußerlichkeiten und ist nicht zwingend von Sexpraktiken abhängig.
Der Film zeigt, wie schwer sich die Menschen mit der Trennung in grundsätzlich zwei Geschlechter eh schon tun und noch schwerer mit den Zwischenbereichen; der Film ist auf seine Art so drastisch wie der fiktionale Rose (Kinostart am 30. April). Douglas Wolfperger hat es auch geschafft, einen Kritiker des Trans-Wesens ins Gespräch mit seinen Protagonisten zu bringen und das mitten im so wunderbaren Schwabenland, das doch an nichts Böses denken lässt.