Nuschel-Befindlichkeitskino
Vielleicht rühren meine Verständnisprobleme mit diesem Film von Anna Roller nach dem Roman von Leif Randt lediglich von der Nuschel-Sprechtechnik der dominierenden und sich auf ihre Befindlichkeit hin befragenden Generation der Dreißiger.
Oder von der Übermanierierheit der Sprechweise eines Jannis Niewöhner, als ob er Kreide geschluckt habe, vielleicht möchte er damit dem männlichen Teil seiner Generationskollegen eine gewisse Waschlappenhaftigkeit und Beziehungsentscheidungsunfreudigkeit vorwerfen.
Eine Martina Gedeck jedenfalls versteht man Wort für Wort und obendrein spielt sie noch eine Figur mit Hand und Fuß. Im Gegensatz zu ihrer Filmtochter Sylvaine Faligant der dreißiger Generation, die eine Autorin spielt, vielleicht eine Art Alter-Ego des Romanautors Leif Randt, während ihr Macker, der so alles andere als einen Macker darstellt, also Jannis Niewöhner – hat der überhaupt einen Beruf? – vermutlich eine Projektionsfläche für das Männerbild einer 34-jährigen Autorin abgeben soll.
Die Beziehung ist nicht so recht Fisch noch Fleisch und es ist das Alter, in welchem Sex nicht mehr neu und aufregend ist. Deshalb wirken die Sexszenen vielleicht auch ein Bisschen krampfig.
Nicht Fisch noch Fleisch auch der Film, vermutlich, weil die Figuren nur mit ihren Beziehungsbefindlichkeiten beschäftigt sind und keine Konflikte haben.
Ok, Niewöhner trifft eine Buddelkastenliebe wieder, Marene (Haley Louise Jones). Sie verreisen nach Lissabon. So viel lustiger mit dem Sex ist es auch nicht als mit der Autorin.
Immerhin gibt es einen Zielpunkt für die Nichthandlung: Sylvester 2018 in Berlin. Es ist das typische Übel der überwiegenden Zahl der Versuche von Literaturverfilmungen: man nimmt das Buch, womöglich am Küchentisch oder am Computer, da geht’s vielleicht noch besser: auf der einen Seite öffnet man das Buch, auf der anderen die zu füllende Drehbuchseite und dann geht man das Buch der Reihe nach durch und versucht daraus ein Drehbuch, Szenen, zu basteln, statt sich erst mal gründlich zu überlegen, was der Unterschied zwischen Literatur und filmischem Erzählen ist.
So kommt ein Ding zustande, was vielleicht ein paar Fans des Buches ins Kino locken wird, aber filmisch belanglos bleibt, erst recht bei einem Buch, was nicht beispielsweise ein Road-Movie oder einen Thriller ergibt, sondern sich mit Beziehungsbefindlichkeitsanalyse einer Generation beschäftigt, was in gewisser, in kinematographischer Sicht, Stillstand bedeutet.
Siehe auch 30 and Wild, ein etwas unerschrockenerer Versuch der Selbstvergewisserung der 30er Generation.