Hear Me: Our Summer

Leichte, zart-koreanische Liebesgeschichte

Dass es sich um einen Coming-of-Age Film handeln könnte, kann man vom Titel her vermuten. Der Sommer ist hierfür als Titelteil ein beliebtes Element. Der Sommer der ersten Liebe.

Der Film von SunHu Jo nach dem Drehbuch von Na Jae-won und Kwak Kyoung-yun, ein Remake des Films „Hear me“ von Cheng Fenfen, lässt vom ersten Moment an keinen Zweifel, worauf er hinaus will.

Der federleichte Yong-joon (Hong Kyung) sitzt lustlos im Imbiss seiner Eltern (Hyun Bong-sik als Vater und Jung Hye-young als Mutter) herum. Er weiß nicht, was mit seinem Leben und den Ferien anfangen. Der geneigte Zuschauer sieht sofort, was ihm fehlt.

Die Eltern wollen, dass er mit seinem Roller Essen für sie ausfährt. Die nächste Bestellung geht in ein Schwimmbad. Er betritt die Schwimmhalle. Wie ein Blitz schlägt bei ihm ein der Anblick von Seo Yeo-reum (Roh Yoon-seo), einer Schwimmtrainerin, ein. So blitzschnell ist sie auch aus der Halle verschwunden. So kann er nur die Schwimmerin fragen. Es ist deren Schwester Seo Ga-eul (Kim Min-ju). Sie ist gehörlos. Yong-joon kann gebärden. Er hat sich bequemlicheitshalber versprochen, mit der Gebärdensprache überall auf der Welt durchzukommen.

Das ist, kleine fachliche Info, eine Illusion. Gebärden ist regional verschieden. Allerdings kommt hier im Film die Schule für internationale Gebärdensprache vor. Seo Yeo-reum besucht sie. Ihre Schwester will an der Olympiade teilnehmen, und zwar als Gehörlose und nicht an den Paralympics, sondern an den ‚richtigen‘ olympischen Spielen.

Beachtlich ist, wie gut die Schauspieler, wie perfekt erscheinend und selbstverständlich sie die Gebärdensprache erlernt haben. Seo Yeoreums Roller ist defekt. Das gibt Yong-joon die Chance, ihn gegen seinen zu tauschen und den reparaturbedürftigen von seinem Kumpel Jae-jin (Jung Yong-Ju) richten zu lassen. So ist die Freundschaft in Gang gesetzt.

SunHu Jo erzählt die Geschichte mit einer Leichtigkeit wie manche Stummfilmkomödien, die lüpfige Musik unterstreicht das beschwingte Erzählen. Es ist doch nur die Geschichte eines Sommers. Leicht gepflückt ist die Liebe allerdings nicht. Denn Seo Yeo-reum ist selbstlos für die Schwimmkarriere ihrer Schwester da. Sie vernachlässigt sich selber. Das ist ein Obstakel für die Liebe. Wer für sich selber keinen Raum nimmt, hat auch keinen Raum für die Liebe übrig. Das ist der Lernprozess, den sie durchmachen wird, ausgelöst durch ein Unglück ihrer Schwester, das zwar glimpflich abläuft, aber stark genug ist, sie auf ihr eigenes Defizit aufmerksam zu machen. Bei diesem Prozess bekommt auch Yong-joon seine Portion Schmerz ab.

Es ist ein Coming-of-Age-Film der Phase bis zum ersten, andächtigen Kuss; obwohl die Akteure schon 26 Jahre alt sind. Und eine Frau, die sich durch Gehörlose im Schwimmbad belästigt fühlt, die bekommt nebenbei gehörig ihr Fett weg.

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