Der Magier im Kreml

Magie?

Das Resultat dieser Magie: aus einer Dumpfbacke von pimpfigem Geheimdienstler ist ein brutaler Diktator und Massenmörder geworden? Hat das was mit Magie zu tun? Das ist doch banal und jegliche Bewunderung, die an sich dem Magier normalerweise gebührt, ist fehl am Platz. Da spielt garantiert keine Magie mit, allenfalls simples Kalkül und ein gewitztes Gespür für Gelegenheiten.

Das ist das einzige, was mich an diesem souverän in Szene gesetzten Film stört: der Titel:, weil der Bewunderung ausdrückt; der Film von Olivier Assayas tut das jedoch nicht; nüchtern schildert er, wie aus einer Dumpfbacke von Geheimdienstler ein Massenmörder (dieser Begriff von mir gesetzt für das Resultat der titelgebenden Magie) wird. Im Gegensatz zum The Apprentice. Der zutreffendere Titel wäre: Massenmörder Files.

Der Begriff des Magiers wurde geprägt im Zusammenhang mit Vadim Baranov (Paul Dano), der als der Macher des jetzigen Despoten und Tyrannen im Kreml gilt. Beschrieben hat das Giuliano Da Empoli. Olivier Assayas hat dessen Buch verfilmt und zusammen mit Emmanuel Carrère auch das Drehbuch geschrieben. Daraus ist ein souveränes, spannendes Movie geworden, das sie sich liest wie illustrierte Files.

Jude Law spielt Vladimir Putin und hat Charakteristika an Haltung und Blick sehr schön herausgearbeitet. Paul Dano spielt den Königsmacher als eine farblose, filmlangweilige Figur, der in den Wirren von Glasnost mit dem schwer alkoholkranken Breschnew den Durchblick bewahrt und Vladimir Vladimirowitsch im Hinblick auf seinen Aufstieg die richtigen Ratschläge erteilt, weil ein paar Schräubchen in seinem Hirn fit angezogen sind.

Mit leichter Hand skizziert der Film die Aufbruchsstimmung in Moskau, die künstlerischen Freiheiten, das Partyleben. Vadim hatte da ein futuristisches Theaterprojekt gestartet, springt aber bald auf den Zug des aufkommenden, kommerziellen Fernsehens auf. Er lernt Xenia (Alicia Vikander) kennen, eine Frau, deren Interesse sich aber, kaum das erste Mal gesichtet, einem der aufstrebenden Oligarchen zuwendet, die Uhren, die sie tragen, die Autos, die sie fahren, das ist verführerischer als ein dröger Theater- und Medienmann.

Man erlebt den Aufstieg der Oligarchen, aber auch deren Kaltstellung, sobald die Politik sie für gefährlich hält. Assayas fädelt seinen Film auf als das Gespräch eines Journalisten, der das Buch von Giuliano Da Empoli gelesen hat, und der Vadim Baranov in der Nähe von Moskau aufsucht und interviewt. Daraus ergibt sich die Rückblendentechnik der Erzählung.

Baranov hat sich inzwischen aus der Politik zurückgezogen in die Abgeschiedenheit, scheint aber noch die Gnade des „Zaren“, wie der Machthaber im Kreml genannt wird, zu genießen. Er lebt hier mit seinem Töchterchen. Die deutsche Synchro ist nicht immer gut verständlich, tut auch gelegentlich weh in den Ohren, ist aber, wenn man das Englische nicht versiert versteht, vorzuziehen, da es ein Film ist, der weitgehend aus Dialogen besteht, die oft auch politische Zusammenhänge und Handlungen erklärend und erhellend begleiten.

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