Mehr verdient
Die zwei Münchner Tatort-Kommissare, die nach 35 Jahren des Ermittelns in Ruhestand gehen und die über eine so lange Zeit fast schon wie ein Stubenmöbel sonntagabends in den deutschen Wohnungen aufgestellt wurden (also ins Design-Museum mit ihnen?), hätten mehr verdient zum Abschied als nur eine Selbstlobhudelei des BR.
Es gibt doch sicher Journalisten, Soziologen, Kulturphilosophen, Fernsehanalytiker, die sich mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm beschäftigen und die diese Einmaligkeit, dass zwei Kommissare sich darin über 100 Tatort-Folgen halten, in einen etwas größeren Zusammenhang hätten stellen können.
Auch das Phänomen, sich über eine so lange Zeit die Redaktionen gewogen zu halten. Aber nein, BR-Redakteur Florian Kummert hat sich für die bequeme Variante des Familienalbums, des Klassentreffens entschieden, womit er Heiko Rauber die Gunst des Auftrags hat zukommen lassen. Der hat schön brav Ausschnitte aus früheren Folgen zu den neuesten hinzu ausgesucht; er hat bestimmt berücksichtigt, was den BR-Redakteuren teuer und lieb an Namen ist. Er hat nur Gutes sagende Talking Heads vor die Kamera geholt und auch die beiden Kommissare plaudern über das Buch gebeugt oder über ein Fotoalbum aus dem Nähkästchen. Wobei Anekdoten unterhaltsam sein können.
Der BR ist der Versuchung erlegen, ein PR-Feature draus zu machen, es als Propagandainstrument einzusetzen und somit sich selbst gesellschaftlich unwichtig zu machen, statt dass sie jemanden von außen damit beauftragt hätten. Es köchelt sich so wohlig im eigenen Saft, so interessant es ist, über Folgen hinweg zu beobachten, wie die Kommissare sich verändern.
Nett halt, aber was nett ist, muss nicht gut und teuer sein. Die Art Familienalbum erinnert an die Art Verabschiedung eines langjährigen Vereinsvorsitzenden im Kegel- oder im Kaninchenverein; berücksichtig zu wenig den Stellenwert in der Öffentlichkeit.
Gerade so eine objektivierende, einsortierende Sendung und Würdigung durch andere gesellschaftliche Instanzen könnte dem unter immer stärkerem Rechtfertigungsdruck stehenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk nützen; das ist hier nicht gegeben und offenbar auch nicht gewollt.
Eine Betrachtung und Einordnung von außen, ob die beiden nun ins Museum für Möbel zum Sonntagabend kommen oder ob sie gar wie Kokuho: Meister des Kabuiki würdig wären der Zuschreibung eines lebendigen nationalen Schatzes, hätte der Glaubwürdigkeit des Unterfangens nicht geschadet.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.