Alles ist Dokument. Alles ist Kunst. Alles ist Leben.
Alles steht in einem Allzusammenhang. Nichts kann nur für sich gedacht werden. Alles ist eins. Seinsfragen, Fragen zu Leben und Tod, zum Kreislauf der Dinge, aber auch zu Glück und Vergänglichkeit, Allusionen zu einem Pantheismus, dass alles durchdrungen ist und dass in allem die Möglichkeit zu allem enthalten sein muss, durchziehen die feine Montage dieser Dokubilder und Anklänge an indische Philosophie dazu oder auch aus Vietnam.
Alles, worauf Peter Mettler seine Kamera richtet, und das tut er ziemlich oft, ist das Leben; durch seine Kamera wird es Dokument und Kunst zugleich, wird aber auch Philosophie, Meditation, Nachdenken über das Leben; der Versuch, dieses geistig zu durchdringen. Sein Film zieht hinein in den Fluss des Lebens. Nicht genug kann er dem Wasser zuschauen, wie es sich wälzt, wie es runterstürzt, wie es sich vermengt, wie es strudelt.
Mettlers Vater verstreut die Asche seiner Frau in einen Schweizer Bergbach und weiß, dass sie über den Rhein in die Nordsee fließen wird, über den Atlantik und dann über Toronto, wo die beiden Auswandererschweizer gelebt haben, wieder herunterregnen wird.
Die Eltern, mit denen es viele Begegnungen, auch als älteres Archivfootage, gibt, sind ebenfalls im Fluss des Denkens über ein glückliches Leben, über das Werden und das Vergehen.
Die Zeitgeschichte spielt hinein, Covid vor allem, die Kommunikation über Internet, die Abstandsregeln. Von den aktuellen Kriegen ist die Rede; das ist umso schrecklicher, wenn der Vater an die irrtümlichen Bombardements von Schaffhausen in der Schweiz im Zweiten Weltkrieg denkt, die wegen eines Orientierungsfehlers der Alliierten passiert sind.
Der Tod der Eltern kommt im Film vor. Es sind natürliche Vorgänge. Ganz ohne Humor ist Mettler nicht, im Abspann erwähnt er die Eltern just so, wie der Vater es bei einem früheren Gespräch in Anwesenheit der Mutter eher als witzige Anregung vorgeschlagen hat.
Mettler scheint ein Reduit im Appenzeller Ort Rehetobel zu haben. Sensationell, wie er das traditionelle Dorfbild ablichtet, in einer unglaublichen Zartheit wie schönste Canaletto-Vedutenmalerei.
Mettler kann die Kamera lange auf Berge, bizarre Gesteinsformen, abgedeckte Gletscher, auf Wälder, auf Schluchten halten. Schauen entspannt und regt an zugleich.
Auch das Ökonomische gehört zu Mettlers Realität. Eine Schweizer Erbin übergibt ihm im ausgebauten Dachboden seines Hauses 50′ 000 Franken in Tausender Scheinen. Anlass für Gedanken zum Kapitalismus und zur Ökonomie.
Mettlers Nachbar in Rehetobel ist ein Tättowierer. Mit diesem unternimmt er einen Ausflug in eine Höhle, nicht irgend eine, sondern eine, in der früher Erz abgebaut wurde. Hier ist der Sprung zur Kunst und zur Kunstinstallation nur ein Flügelschlag entfernt. Der Tättowierer mit den zwei Hunden ist ein Lebensphilosoph, der sich überlegt, was und warum er es tut. Dass die Höhle zu Gedankenassoziationen im Bereich des Platonschen Höhlengleichnisses verführt, ist nur folgerichtig und konsequent.
Der Titel scheint nicht nur zufällige Ähnlichkeit mit dem Film Over Your Cities Grass Will Grow über Anselm Kiefers gleichnamiges Kunstprojekt zu haben. Eine weitere Assoziation, die der Film mehr als einmal selber bringt, ist diejenige, dass das Gras auf der anderen Seite viel grüner sei, was auf eine mögliche, grundsätzliche Unzufriedenheit des Menschen in seinem Sein schließen lässt, die mit guten Einsichten, Philosophien und Überlegungen befriedet werden kann.