„I have come to bring fire on the earth. And how I wish it were already kindled.“ Luk. 12.49
Ein Beitrag zur Befreiungstheologie
Der Dokumentarist Francois-Xvier Drouet stellt sich als einer vor, der lange wie Marx glaubte, dass Religion das Opium des Volkes sei. Er präsentiert sich als ein Getaufter, der im Erwachsenenalter aufhört an Gott zu glauben und der seinen christlichen Glauben gegen die Hoffnung auf radikalen politischen Wandel eintauscht, den Traum von einer gerechten und gleichen Gesellschaft. Daher stamme seine Leidenschaft für Lateinamerika und die Geschichte seiner gescheiterten Revolutionen.
Davon berichtet der Film, man könnte ihn fast als ein bebildertes Seminar oder einen Abriss der Geschichte der Befreiungstheologie in Lateinamerika vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnen.
Durch seine langjährige Begeisterung und seine Reisen verfügt Drouet über authentisches Archivfootage von dieser wechselvollen Geschichte. Seine Schwerpunkte legt er auf El Salvador, Brasilien, Nicaragua und Mexiko. Er arbeitet mit neuen Interviews mit Vertretern der Befreiungstheologie, die sie von heute aus gesehen erklären und schält die gravierende Differenz zwischen der Befreiungstheologie einerseits und der hierarchisch organisierten katholischen Kirche andererseits heraus.
Ja, diese Theologie sei auch innerkirchliche Kritik. Sie geht von Jesus aus und seiner Zuwendung zu den Armen. Sie geht in Lateinamerika vom krassen Gegensatz zwischen Arm und Reich aus. Sie will diesen nicht wie die offizielle Kirche oder die Reichen mit Almosen überbrücken. Das sei gegen die Würde des Menschen. Sie kritisiert, dass die Armen nicht arm seien, weil sie nicht arbeiten, sondern weil die Früchte ihrer Arbeit von den Reichen weggenommen würden.
Es kommt auch klar die Differenz zwischen Evangelikalen-Bewegungen und der Befreiungstheologie zum Tragen. Die Befreiungstheologie wird zwangsläufig revolutionär, wenn ein diktatorischer Staat in den Händen der Reichen nicht bereit ist, das Prinzip des täglichen Brotes anzuwenden; das heißt, die Güter dieser Erde brüderlich zu teilen.
Die Befreiungstheologie kritisiert die Armut als eine von Menschen produzierte. Die Kirche selber ist nicht zimperlich mit den Befreiungstheologen umgegangen; ein markantes Beispiel dafür ist die Szene der Ankunft des Papstes Wojtyla in Nicaragua und seine barsche Verweigerung des Segens an Ernesto Cardenal. Überhaupt scheint der Papst dort fast die Nerven verloren zu haben; direkt weinerlich beschwört er bei der Massenmessse die Einheit der Kirche, die er durch die Befreiungstheologie gefährdet sieht. Die Kirche als politisches Gebilde und Hierarchie gibt sich immer lieber mit den Mächtigen ab.