Siri Hustvedt – Dance Around the Self

Zitterattacken und Hysterie

Siri Hustvedt leidet an Zitterattacken. Dafür wäre sie zu einem anderen Zeitpunkt der Geschichte als Hexe verfolgt worden. Aus ihr ist jedoch eine berühmte Autorin geworden.

Die Zitterattacken und das damit gerne in Verbindung gebrachte Thema der Hysterie dürfte ein Kernmovens ihrer Arbeit sein. Das ist einer der Punkte, auf die die gediegene, matineefreundliche Dokumentation von Sabine Lidl hinsteuert und die eine wohlverträgliche Mixtur aus Klatsch inklusive Hervorholen von Familienalben und Einblicken in Werk und Werkstätte der Autorin geben.

Sie lebte bis zu dessen Tod mit dem noch viel berühmteren Autor Paul Auster in einem geräumigen, mehrere Etagen hohen Haus in New York. Selbst kommt sie vom Land, aus Minnesota, wo sie mit vier jüngeren Schwestern in einem Professorenhaushalt aufgewächst. Die Mutter stammt aus Norwegen.

Dorthin unternimmt der Film Ausflüge und landet wieder bei der Kunst, bei einem Hexenmahnmal von Zumthor. So rundet der Film sich thematisch. Er ist eine Mischung aus Biographie und Lesung. Oft liest die Autorin aus einem ihrer Werke vor oder sie sitzt in einem Fauteuil oder auf einer Couch und erzählt aus ihrem Leben und ihrer Beziehung zu Paul Auster. Dieser ist im Zeitrum der Dreharbeiten gestorben. So gibt es Ausschnitte aus der Trauerfeier, bei der die gemeinsame Tochter der beiden Literaten singt; deren Mann trägt als Fotograph mit Fotos aus der Familie zum Film bei.

Das Biopic bietet eine anregende Begegnung mit dieser hochintelligenten und gebildeten Frau und gibt, was immer reizvoll ist, einen Einblick in das Leben der New Yorker Intelligenzia. Er verwendet Zeichnungen der Autorin. Die verleihen dem Film eine zusätzliche Dimension von Chic.

Ein wichtige thematische Rolle spielt Louise Bourgeois. Aber auch Margaret Cavendish wird als wichtig angeführt.

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