Kommentar zu den Reviews vom 2. April 2026

Was Kino generell auch so besonders eindrücklich macht – und maximal eindrücklich, wenn die Filme im Kino gezeigt werden auf großer Leinwand – das ist seine Komplexität. Das sind die vielen Köpfe, Kreativen und Handlanger, die an der Herstellung beteiligt sind. Den Film möchte ich im Kino sehen, bei dem im Abspann nur ein einziger Name steht. Ist im regulären Kinoprogramm nicht denkbar. Kino ist ohne Teams kaum vorstellbar. Im Abspann stehen oft Dutzende, Hunderte, ja Tausende von Namen. Und jeder trägt ein bisschen mit seinem Aroma zur Vielfalt des Endproduktes bei, sicher, in unterschiedlicher Stärke. Beim ersten der heute reviewisierten Filme handelt es sich noch um eine überschaubare Größe, insofern als ein französischer „Auteur“ sehr viel selber bestimmt und selber sich um vieles kümmert, um einen Ausschnitt aus einem Stück französischer Nationalliteratur beeindruckend auf die Leinwand zu stemmen. Eine starbesetzte US-Produktion um das Vertrauensthema braucht einen längeren Abspann. Ein deutscher Liebesfilm dürfte auch eher mit überschaubarem Team zustande gekommen sein, zu seinem Vorteil, er wirkt dadurch sehr persönlich. Ein internationales Team hat sich um eine japanisch-französische Familiengeschichte gekümmert. Ein weiterer französischer Film ist auteurhaft mit deutlich feministischem Stempel seiner Regisseurin versehen. Heute sind gleich mehrere Auteur-geprägte Filme am Start. In italienisch-französisch-belgischer Koproduktion erzählt ein Marokkaner eine sensible Liebes- und Coming-Out-Geschichte. Eine starke Handschrift charakterisiert auch eine spanische Regisseurin, die sich an der Atlantikküste auf Spurensuche ihrer Hippie-Eltern macht. Vielleicht ist es typisch, dass just der Film über eine Buchautorin mit minimalem Team auskommt. Dasselbe gilt auch für einen Franzosen, der Filmclips zum Verfertigen einer These zu einem elementaren Menschheitsthema montiert. Mini ist auch das Selbstdokuteam auf Hoher See, aber im Abspann tauchen dann doch noch Dutzende von Namen auf. Myriaden von Akteuren und Zeichnern wiederum sind beteiligt an einer Blockbuster-Animation. Ab heute ist auf DVD eine Hommage an eine Metalband fürs Heimkino verfügbar. Die Öffentlich-Rechtlichen verfangen sich in einer reißerisch-schwachen Naziaufarbeitungsdoku und warnen schlau und listig vor Internetdieben.

Kino
LES MISÉRABLES – DIE GESCHICHTE VON JEAN VALJEAN
Die ersten Seiten aus dem Roman von Victor Hugo nur, aber der Knackpunkt für einen Nationalhelden

DAS DRAMA – NOCHMAL AUF ANFANG
Die Ehe ist das Zementieren von Vertrauen; wehe, wenn daran gekratzt wird!

ALS WÄRE ES LEICHT
Eine selten schöne, deutsche Liebesgeschichte

A MISSING PART
Rechtliche Benachteiligung ausländischer Väter in Japan

ALPHA
Diese Emotion auch noch undesinfiziert in den Arm tätowiert

ENZO
Dieses zarte Gefühl zu einem ukrainischen Maurer

ROMERÍA – DAS TAGEBUCH MEINER MUTTERSCHAFT
Auf den Spuren einer unbekannten Hippie-Mutter

SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF
Vielleicht müssen Autoren und Autorinnen so ichbezogen sein.

THE GOSPEL OF REVOLUTION
Befreiungstheologie und lateinamerikanische Revolution

SEGELJUNGS – MIT NULL AHNUNG UM DIE WELT
Fünf Jahre Weltumsegelung auf zwei Kinostunden verkürzt

DER SUPER MARIO GALAXY FILM
Bodenständig im Irrsinn von Galaxien

DVD
KREATOR – HATE AND HOPE
Der Hass braucht als Zuckerguss die Hoffnung

TV
KONTROVERS – DIE STORY; MEIN GROSSVATER – DER NAZI – SCHULD UND SCHWEIGEN IN DER EIGENEN FAMILIE
Reißerisch-unergiebiges Brechen des Schweigens

KINGS OF SCAM – WER KLICKT, VERLIERT Folge 1: Sie haben Post
Vorsicht vor den Internetlangfingern!

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