Riskanter Gang an den Kraterrand des Misstrauens
Nach Sick of Myself und Dream Scenario spielt Kristoffer Borgli erneut mit einem ungewöhnlichen Phänomen menschlichen Verhaltens.
In Sick of Myself setzt eine Frau als Machtmittel gegen ihren Partner, einen Künstler, Krankheit ein. In Dream Scenario lässt er das Phänomen von Medienberühmtheit in den Köpfen der Konsumenten geistern.
Hier jetzt verkündet das Plakat einen Hochzeitsfilm. Das mag die einen abschrecken, die anderen anziehen. Es wird auch ein Hochzeitsfilm, aber eben einer von Kristoffer Borgli, der hier raffinierter als in den beiden Vorgängerfilmen menschliches Verhalten überprüft und herausfordert.
Eine Hochzeit ist nichts anderes als ein Vertrauensvorschuss. Den nimmt der Regisseur ins Visier und stellt ihn auf die Probe. Nach lässig verschachtelt mit Rückblenden und Selbstreflexionen erzähltem Anbandeln von Charlie (Robert Pattinson) mit Emma (Zendaya) über den Nexus eines Buches mit dem Titel „Schaden“ geht es umstandslos in die Hochzeitsvobereitungen.
Der beste Kumpel von Charlie, Mike (Mamoudou Athie), und seine Frau Rachel (Alana Haim) sollen die Trauzeugen sein und den Abend organisieren helfen. Im Laufe eines der Vorbereitungsgespräche bringt Rachel die Idee auf, jeder soll seine schlechteste Tat im Leben offen und ehrlich erzählen.
Emma, die in ihrer Pubertät mit fünfzehn eine enorme Krise durchlebt hat, rückt damit heraus, dass sie damals ernsthaft einen Amoklauf an ihrer Schule mit dem Gewehr ihres Vaters erwogen habe. Den Plan hat sie nie realisiert. Das überschreitet die Toleranzgrenze von Rachel.
Ab nun ist der Wurm im Film, besser in den Hochzeitsvorbereitungen. Ein einmal gesätes Misstrauen ist kaum mehr aus der Welt zu schaffen. Erschwerend kommt hinzu, dass Emma glaubt, die Frau, die den DJ spielen soll, beim Heroinspritzen in aller Öffentlichkeit gesehen zu haben.
Trotz dieser Komplikationen lässt der Film es zur Hochzeit kommen. Die ist auf dünne Nerven genäht. Jetzt juckt den Regisseur, der bis dahin großartiges, gepflegtes Sprechtheater mit erstklassigen Schauspielern, die mit private Activities nicht geizen, anregenden Nervenkitzel geboten hat, das Eskalieren in den Fingern; vielleicht verliert gar ein bisschen die Kontrolle über das von ihm gesetzte Thema und wie er es wieder einfangen kann. In letzter Sekunde kriegt er die Kurve, dem deutschen Titelzusatz zu Gültigkeit zu verhelfen.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Ulmen-Affäre ein hochaktuelles, brisantes Thema: das des Vertrauens in einer Beziehung.