Internetlangfinger
Untrennbar mit dem Besitzdenken scheint das Diebstahlsdenken verbunden zu sein. Da das Internet eine relativ junge Kulturtechnik ist, haben es hier Diebe besonders leicht, speziell, wenn es um Kreditkarten und deren Daten geht. Da lassen sich Menschen reinlegen, die nicht unbedingt auf den Enkeltrick reinfallen würden.
Man ist in Hektik, erwartet ein Paket, bekommt eine SMS mit der Mitteilung über einen erfolglosen Zustellversuch und soll mal schnell ein paar Daten preisgeben, damit das gelingen kann. Und schwups kann der schlaue Datenfischer irgendwo auf der Welt mit der Kreditkartennummer shoppen gehen.
Das Rechercheteam aus Julia Schweinberger, Lena Walbrunn, Alexander Nabert, Arne Meyer-Fünffinger und Sammy Khamis, redaktionell betreut von Verena Nierle, Pia Dangelmayer und Maximilian Zierer, hat sich dieses leidigen Themas aufklärerisch angenommen und präsentiert seine Erkenntnisse als spannendes Infotainment.
Dem Rechercheteam des BR ist ein größeres Datenkonvulut, das detailliert hundertausendfachen Smishing-Betrug dokumentiert, in die Hände gefallen. Sie haben Kontakt zu ethischen Profihackern und einem Datenjournalisten aus Norwegen aufgenommen und sie kommen selber einem von sich sehr eingenommenen Datenlangfinger auf die Spur, weil der seinen Life-Style und seine Beute stolz im Darcula-Chat präsentiert.
Schöner Cliffhanger am Schluss dieser ersten Folge: einer vom Team macht sich auf den Weg, um den Datendieb von Bangkok eventuell persönlich ausfindig zu machen.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.