Mit Hasan in Gaza

Guerilla-Shooting

Dies ist Guerilla-Filming pur, so wie Richard Linklater in Nouvelle Vague sich dafür begeistert.

Found Footage ist es dazu, was Kamal Alijafari uns präsentiert. Es ist eine klandestine Reise durch das Gaza von 2001, wie es gegenüber heute direkt paradiesisch wirkt und es war damals schon katastrophal. Viel davon findet in einem Taxi statt. Da denkt man an Taxi Teheran. Auch in Gaza finden viele Fahrten in Sevice-Taxis statt. Da steigen die Leute ein und aus, wie es für sie passt. Wenn sie einsteigen, stecken sie dem Fahrer eine Münze zu. Es sind geräumige Mercedes-Limousinen.

Da Journalisten nach wie vor der Zugang zum Gazastreifen verboten oder nur sehr beschränkt möglich ist, muss man froh sein, um jede Lebensäußerung, die aus dem Gebiet kommt. Wir haben die Freiheit der Information. Die ist wichtig. Und so werden Filme, die mit Gaza zu tun haben umso wichtiger. Zuletzt Once Upon A Time In Gaza, dann Die Stimme von Hind Rajab, Ein Haus in Jerusalem, Im Schatten des Zitronenbaumes, die beiden letzteren zum Thema der Palästinenser.

Hier im Film kommen kleine Mädchen vor. So muss man sich Hind Rajab vorstellen. Im Film versucht Hasan einen Freund zu finden, den er in seiner Zeit im Gefängnis kennengelernt hat. Er hat aber keine Adresse. Das ist der Anlass, durch Gaza zu fahren.

Immer wieder sieht man die Siedlungen, Kontrollpunkte, leere Läden, aber auch notdürftige Märkte oder sogar eine schön eingerichtete Wohnung mit liebevollem Kinderzimmer (oh, Hind Rajab!) und Salons. Aber auch Trümmer eines eben erst von Israel zerstörten Wohnhauses werden aufgesucht.

In der Wohnung von Hasan wird der Filmer beim nächtlichen Blick aus der Terrasse vertröstet, er brauche keine Angst haben, die Granaten und Mörser, die zu hören seien, würden nicht bis hierher gelangen; außerdem sei es in dieser Nacht relativ ruhig, da gerade viele Beerdigungen stattfänden.

Die Hypothek, die über diesem Film schwebt, ist das Wissen, dass all dies Leben, es gibt sogar ein wenig Strandleben am Meer, inzwischen in einem massenmörderischen, blindwütigen Racheakt zerstört und vernichtet worden ist. Gesänge aus einer untergegangenen Zeit.

Es gibt eine Szene, in der ein Palästinenser nicht gefilmt werden möchte, weil er in Israel arbeitet. Der wird vertröstet, das sei ein rein privater Film, oder er würde erst viel, viel später an eine Öffentlichkeit gelangen. Jetzt ist es ein Vierteljahrhundert später.

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