Kokuho: Meister des Kabuki

Das Kino als Bühne

Eine Kabuki-Bühne hier im Film von Sang-il Lee nach dem Drehbuch von Satoko Okudera nach dem Roman von Shuichi Yoshida sieht aus wie eine breite Kinoleinwand. So vermittelt der Film den Eindruck, der Zuschauer könne in die Leinweinand einsteigen und endlich erfahren, was dahinter alles los ist.

Und das ist einiges. Da geht es nicht nur um Kunst, da geht es um menschliche Beziehungen, Rivalitäten und Freundschaften, um die Onnagata, Männer als Frauendarsteller, das Blut und das Erbe, um Familie und sogar die Yakuzas spielen hinein, um japanische Tradition und um einen Künstler als lebendigem nationalem Schatz oder auch Denkmal.

Kikuo (Soya Kurokawa) ist Sproß einer Yakuza-Gang. Anlässlich einer Familienfeier tritt er als Onnagata auf. Im Publikum sitzt als Gast ein bekannter Kabuki-Dasteller, Hanjiro (hier ist es schwierig, aus IMBd und Wikipedia den Namen des Darstellers zu identifizieren). Er ist begeistert vom Talent von Kikuko.

Aus der Geburtstagsfeier wird ein Yakuza-Massaker. Kikuko überlebt als einziger seiner Familie und wird von Hanjiro mit zu seiner Familie genommen. Er will ihm eine Ausbildung zum Kabuki-Schauspieler ermöglichen.

Hier wird eine den Film bestimmende Konkurrenz zum Sohn von Hanjiro initiiert. Es wird eine überraschende Freundschaft von zwei konkurrierenden Männern, die eine Zeitlang als Han-Duo Erfolge feiern. Als Erwachsene werden die beiden gespielt von Ryo Yoshizawa (Kikuo) und Ryusei Yokohama (Shunsuke).

Das wird ein Dauerthema im Film: der Widerspruch zwischen der unzweifelhaften, ja hervorragenden Begabung von Kikuo und der mäßigeren, der sie aber im Blut habe, von Shunsuke.

Es gibt Einblicke in die Ausbildung der beiden. Der Vater ist sehr streng, körperliche Züchtigung ist nicht ausgeschlossen; dabei geht es um weibliche Grazie; aber die – und auch die hohe Stimme – will erlernt sein von den Darstellern.

Der Film ist nah dran vor Auftritten bei der Aufregung, der Anspannung, den Ängsten. Er bringt ausführlich bekannte Nummern aus der Kabuki-Tradition, „Die zwei Löwen“, eine mit einem Reiher, „Zwei Geistermädchen“ oder die Sequenz mit dem Selbstmord der Liebenden.

Der Lebensweg, die Aufs und Abs des Aufstiegs von Kokuho werden verfolgt, begleitet vom Davonlaufen von Shunsuke, wie sein Vater den Namen an Kokuho übergeben will bei einer hochformalen, gesellschaftlichen Feierlichkeit.

Die beiden Männer gründen Familien, es gibt Skandale, die Vergangenheit von Kokuho holt ihn ein. Er zahlt für seine Karriere einen hohen Preis. Aber er lässt sich nicht abbringen, als ob er es im Blut habe.

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