Aus der spanischen Diaspora in Tanger
In den 30er Jahren hat sich, so ein Antext, in Tanger in Marokko, eine spanische Exilgemeinde entwickelt. Die Calle Málaga (also die Malaga-Straße) ist ein zentraler Streifen davon. Die Händler sprechen nebst Arabisch problemlos Spanisch.
Hier wurde Maria Angeles Munoz (Carmen Maura) geboren und hier hat sie ihr ganzes Leben verbracht. Gelernt hat sie nichts Gscheits, gearbeitet auch nicht, außer vor 50 Jahren eine kurze Zeit an der Theaterkasse. Sonst war sie eher Madame denn Hausfrau. Eine gute Mutter bestimmt nicht. Sonst wäre Tochter Clara (Marta Etura) nicht mit 17 nach Madrid abgehauen. Die Ehe war wohl auch nicht sonderlich, der Mann seit 2004 tot.
Maria genießt ihr Leben in der Calle Málaga, gießt die Geranien auf dem Balkon, von dem aus sie Idder (Abdelilah Iramdane) und andere Händler in der Gasse grüßt. Ihr Mann hatte die Wohnung damals günstig gekauft. Er hat sie auf die Tochter überschrieben, wer weiß aus welcher Gemeinheit oder Boshaftigkeit; das muss sich der Zuschauer selbst zusammenreimen, aus dem, was Maryam Touzani, die mit Nabil Ayouch auch das Drehbuch geschrieben hat, feminin einfühlsam fast wie einen Roman in ihrem Film erzählt.
Clara taucht unvermutet bei der Mutter auf. Sie ist in Geldnöten und will die Wohnung so schnell wie möglich verkaufen. Der Mutter bietet sie zwei Alternativen an. Sie kann zu ihr nach Madrid ziehen oder in ein Altenheim in Tanger. Mutter leistet kaum Widerstand, scheint sich zu fügen, entscheidet sich für Tanger. Möbel und Inneninrichtung werden an den Antiquar Abslam (Ahmed Boulane) verhökert. Die Tochter beauftragt einen Immobilienmaker mit dem Verkauf der Wohnung und rauscht wieder ab nach Madrid.
Damit fängt köstlich das an, was man das Genre von alten Damen, die sich nichts bieten lassen, von den störrischen Alten, nennen könnte oder dasjenige von den alten Damen, die mit Vehemenz, List, ja Durchtriebenheit sich ihr Restleben nicht diktiern lassen wollen.
Wer Spoiler nicht mag, der sollte ab hier nicht weiterlesen. Maria gefällt es im Altenheim nicht. Sie gibt bekannt, sie würde zur Tochter nach Madrid reisen. Das tut sie nicht. Sie kehrt in ihre leergeräumte Wohung zurück, richtet sich mit Schlauheit, ja mit Dreistigkeit wieder ein, schreckt vor Erpressung nicht zurück, um bleiben zu können.
Sie fängt an, ihre Habseligkeiten von Abslam wieder zurückzukaufen. Da bahnt sich mehr an, wie die beiden in einem hübschen Cabriolet nach Asilah fahren, um ihren Plattenspieler wieder zurückzubekommen. Auch eine Seelenhelferin hat Maria an der Hand. Es ist die Klosterschwester mit Schweigegelübde Josefa (María Alfonsa Rosso), der sie so allerlei auch Schlüpfriges erzählen kann und deren Segen sie sich für ihre Taten holt.
Es kehrt buntes Leben in die Wohnung zurück. Klar erkennbar ist, dass der Mutter-Tochter-Konflikt ein gnadenloser ist. In den hätte man sich gerne etwas mehr Einblick gewünscht. Der wird am Schluss etwas arg plötzlich in Minne aufgelöst.