Suada
Dies ist eine Hommage der Sonderklasse von Richard Linklater an den Textautor Lorenz Hart, der unter anderem mit dem titelgebenden Song weltberühmt und erfolgreich geworden war; zusammen mit dem Komponisten Richard Rogers (Andrew Scott).
Der Film fängt mit der Premiere des Musicals Oklahoma von Richard Rogers an. Hart sitzt als nicht Beteiligter in der Loge neben seiner prunkvoll aufgepeppten Mutter. Er erträgt den Triumph nicht. Er flüchtet an die Bar Sardi’s. Er ist Alkoholiker und dort bestens bekannt.
Meisterhaft, wie Linklater den Rest des Filmes in dem Lokal spielen lässt. Neben der Bar und im ersten Stock findet die Premierenfeier statt. Vorher schon hat Hart endlose Redeströme von sich gegeben, Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) ist das erste Opfer. Aber auch zu Morty Rifkin (Jonah Lees), dem lässigen Pianisten, sucht er den Kontakt.
Es ist ein nicht enden wollender Redeschwall, ständig aufgepeppt mit Zitaten oder den schlechtesten Sprüchen aus berühmten Filmen. Das Thema der Liebe, ob homo oder hetero, kommt dick. Jeden, der Hart über den Weg läuft, lädt er zu seiner Megaparty spät am Abend bei sich ein.
Es ist eine ganz andere, tief berührende Art von Hommage, die Linklater hier liefert, als kürzlich Baz Luhrmann mit seinem doch recht naiv verehrenden Epic: Elvis Presley in Concert.
Wie die Premierengäste eintrudeln, kommen sie an Hart nicht vorbei. Alle mit schlechtem Gewissen und Pflichtgefühl. Wie Linklater das beobachtet und inszeniert ist vom Feinsten. Vor allem Rodgers sieht sich gezwungen, wie es scheint, sich mit ihm zu unterhalten, ihn aufzumuntern, ihm seine Wichtigkeit verstehen zu geben, während die Premierenfeier wartet.
Viel Raum nimmt die Begegnung mit Elizabeth Weiland (Margaret Qualley) ein. Auch sie gibt ihm zu verstehen, wie wichtig er sei. Die haben wohl auch mal eher platonisch was gehabt miteinander. Sie ziehen sich in das Garderobe-Kabäuschen zurück, wo sie ihm en detail die Sexbegegnung mit einem anderen Typen schildert.
Hart will ja nicht mehr trinken, aber dann bestellt er doch einen Drink und noch einen und dann noch einen.
Der Film gibt Einblick in den tiefen Wirrwarr einer hypersensiblen, hochempfindsamen, aber auch verletzten Künstlerseele. Es gibt einen Literaturthinweis auf Sumerset Maughans Of Human Bondage. Linklaters genaue Beobachtung des Künstler- und Gesellschaftsmilieu verstärkt die Faszination dieses im Grund unmöglichen Filmes, einen ganzen Abend praktisch nur in einer Bar zu drehen und dominiert noch dazu vom Redeschwall eines Betrunkenen. Chapeau!