Staub
ist eine elementare Angelegenheit. Staub aufwirbeln, der Staub legt sich. Menschliche Aktivitäten können Staub hinterlassen. Der Mensch hat dem Staub den Kampf angesagt. Dafür hat er den Staubsauger erfrunden. Der ist ein nützlicher Geist im Kampf gegen den Staub. Aber nicht nur das, im Film des Thailänders Ratchapoom Boonbunchachoke wird er spiritistisch und animistisch belebt, um auf wunderschön verschnörkelte Art politische Kritik zu formulieren. Staub ohne Staubsauger hat sich kürzlich im Kino zum sehenswerten Dust Bunny ausgewachsen.
Der reale Hintergrund zur fiktionalen Geschichte, auf den verwiesen wird, ist das Massaker an der Thammasat-Universität.
Die Geschichte selber spielt in einer Staubsaugerfabrik. Ein Arbeiter ist zu Tode gekommen. Es dürften die miserablen Arbeitsbedingungen und der Staub gewesen sein. Er lebte mit einem Mann zusammen. Der Geist des Verstorbenen taucht in der Fabrik auf. Auch sein Ex-Mann hört ihn nachts.
Bei einer Fabrikbesichtigung verselbständigen sich Staubgebläse; die Stimme des Verstorbenen ist zu hören. So ergeht es auch dem jungen Mann March (Wisarut Himmarat). Seine Frau Nat (Davika Hoorne) ist gestorben. Sie macht sich als Staubauger bemerkbar. Immer wieder wird aus dem Staubsauger auch die Erscheinung der menschlichen Gestalt. Und sie ist nicht die einzige.
Die Fabrik steht vor der Pleite. Es entwickelt sich ein Kampf der Geister, der bösen gegen die guten. Die Besitzersfamilie verfolgt diese Entwicklungen gebannt am Bildschirm. Sie sind wie für ein Foto aufgereiht. Wie der Regisseur überhaupt ein Faible für das Standbildhafte hat und seine Figuren ruhig und gestenlos dastehen und die Texte austauschen lässt; die Kamera bleibt unbeweglich auf ihrer Position. Das erinnert von der Methode her an die lakonischen Filme von Roy Andersson; ergibt momentweise diesen Effekt des satirischen Zeichners.
Es scheint wieder einer der Film zu sein, die noch zu Covid-Zeiten gedreht wurden. Besonders in Massenszenen, es kommen die Fabrikarbeiter vor, tragen viele Darsteller Masken.
Kapitalismus-Bashing in zierlichsten thailändischen Schriftzeichen.
Bei manchen Texten ist bei den deutschen Untertiteln zu lesen, dass sie in einem besonderen Dialekt des Landes gesprochen seien.
Künstlerisch fängt der Film an, um auf den Staubweg zu führen; Ausschnitte von Figuren eines Steinfrieses sind zu sehen. Es gibt einen Einblick in die Kunstakademie, wie die Vorbilder für den Schmuck; dann folgt der Abriss wegen einer Baustelle; der Staub dringt zu jenem Mann vor, dessen Mann gestorben ist, und den er nachts husten hört. Und schon ist man mittendrin in einer Staub- und Geistergeschichte, die charmant und alles andere als staubig ist. Die Behauptung ist die, dass die Toten auf diese Art zurückkommen, weil die Hinterlassenen sie nicht vergessen können. Als Mittel dagegen werden Elektroschocks in gediegenem Ambiente verpasst.