Bürgermeister, Journalistin, Ladenbesitzer
Der Bürgermeister von Agadez, Rhissa Feltou, eine Journalistin von Radio Nomade, Tila Amadou, und der polyglotte Ladenbesitzer Ahmad Dizzi, sind die Protagonisten, die den Schlüssel zu dieser differenzierten Betrachtung der Region Agadez bilden. Sie sind die Leitfiguren in dieser aufschlussreichen Dokumentation von Gerald Igor Hauzenberger und Gabriela Schild.
Die Region Agadez in Niger ist für uns Europäer von Interesse, weil sie als Durchgangsland von Migranten auf dem Weg von südlicheren afrikanischen Ländern in Richtung Mittelmeer von Bedeutung ist. Die Region hat einmal von einem blühenden Tourismus gelebt. Den gibt es zwar noch immer, siehe Expedition Niger: Pures Africa. Da die Gegend Hochrisikogebiet ist, kann er nicht in merklichem Masse zu Ernährung beitragen.
Eine Jugend ohne Perspektive wiederum ist anfällig für Drogen, Prostitution, Terrorismus. Eine wichtige Perspektive ist dem Land genommen worden mit der härteren Abschottungspolitik Europas. Sie schaffte es, dass Niger den Transit von Menschen durch das Land 2016 mit harten Gesetzen verboten und drakonische Gefängnisstrafen in Aussicht gestellt hat. Viele Menschen landeten dadurch in der Armut, weil ihnen das Geschäft weggebrochen ist. Eine Kompensation dafür oder die Aussicht auf andere Jobs blieben die Europäer schuldig. Sie förderten lediglich die Ausbildung von mobilen Eingreiftrupps. Auch da gibt der Film einen Einblick, samt Besuch der damaligen Bundeskanzlerin Merkel. Zuhause in Deutschland wird sie das als Erfolg verkauft haben. Von den negativen Seiten dieses Erfolges war bestimmt nicht die Rede; weil er ja sonst als vorgetäuschter Erfolg hätte dastehen müssen.
Ein Bild aus diesem Film, was einem bleibt, ist, wie der Bürgermeister versucht, von einem Baum die Plastikteile, die sich im Blattwerk verfangen haben, wegzufischen. Es gibt Besuch in einem Dorf, dessen Bäume vermüllt sind mit solchem Plastik.
Der Film schaut vorbei bei der Ankunft eines Konvois von legalen Arbeitsmigranten in wüstenartiger Landschaft an der Grenzstation. Der Bürgermeister selbst kommt aus nomadischen Verhältnissen, hat in Frankreich studiert. Seine Familie ist dort geblieben, er versucht hier pragmatisch und mit klarem Verstand, für eine Verbesserung der Verhältnisse zu sorgen. Er besucht seinen Bruder, der Nomade ist. So kommt es zu einer Begegnung mit einer Kamelherde.
Der Zentralregierung in Niger sind Politiker wie Rhissa Feltou ein Dorn im Auge. Er wird abgesetzt. Die Journalistin berichtet in ihrer Radiosendung darüber. Mit ihr gibt es Besuche im Land, brennende Themen werden angesprochen. Der polyglotte Ladenbesitzer besteigt mit dem Filmteam den berühmten, chrakteristischen Lehmturm der Stadt.
Allerdings haben die politischen Verhältnisse sich inzwischen radikal geändert. Der Militärputsch von 2023 lässt aus dem Film ein geschichtliches Dokument werden, das präzise auf Probleme der europäischen Abschottungspolitik in Afrika hinweist.