Der Bub aus dem Emmental und der Bernhardiner
Es ist um 1800, die Info speist der Film von Markus Welter nach dem Drehbuch von Jan Poldervaart erst sehr spät ein.
Der Bub Georg (Paco von Wyss) ist mit seinem fast erwachsenen, größeren Bruder Alfons (Orell Bergkraut) kurz vor Wintereinbruch mit der letzten Säumerkolonne auf dem Weg über die Alpen nach Italien. Georg wird krank. Alfons lässt den Bruder in einem Hospiz von frommen Brüdern auf einem Pass zurück und zieht weiter.
Georg, der Bauernbub aus dem Emmental, muss über den Winter im Hospiz bleiben. Er wird von den Eleven der Mönche nicht gern gesehen; sie halten ihn für einen Bauerntölpel, denn sie sind aus feinen Familien. Resi (Alma Büchenbacher), ähnlich alt wie Georg, mag ihn. Sie wird ihm das Lesen beibringen.
Zu vermuten bleibt, dass die beiden Brüder Armutsmigranten sind. So genau äußert sich der Film nicht dazu. Später wird ein Brief von Alfons an Georg ankommen. Alfons ist jetzt Söldner, auch das Wort kommt nicht vor, bei der österreichischen Armee.
Im Kloster nimmt sich Georg eines Welpen aus einem Wurf von Bernhardinern an. Die Klostergemeinschaft wollte diesen als den schwächsten dem Naturgesetz gemäß verhungern lassen. Georg rettet ihn und nennt ihn Barry.
Das wird die zentrale Geschichte im Film. Darum herum skizziert der Film mehr als dass er präzise nachvollziehbar erzählt, wie Georg sich bewährt, wie er den Hund offiziell heranziehen darf, wie er mit den Eleven den Schulunterricht von Benedikt (Max Hubacher) besuchen darf, wie die Eleven anfangs versuchen, ihm das Leben schwer zu machen.
Mitten im Winter geht eine Lawine nieder und man wundert sich, dass sich die Mönche aufmachen, um allfällige Opfer zu retten, da es doch vorher geheißen hat, übern Winter seien keine Säumer unterwegs.
Die Stärke des Filmes ist die Auswahl der Schauspieler (auch Ulrich Tukur ist mit von der Partie als ein überzeugender Schweizer Prior) und die Ernsthaftigkeit des Spieles, gerade auch der Kinder. Die Ausstattung macht was her, sieht nicht nach schnell schnell aus irgendeinem Fundus besorgt aus. Hinzu kommt die Fotografie.
Was überhaupt nicht nötig wäre, das ist die Berieselung mit einem überflüssigen Süßsound; die Bergwelt selbst ist nicht ohne Töne; die wären doch viel faszinierender, als dass die Tonspur einem ständig ein dubioses Feelgood einflößen muss. Insgesamt wirkt die Erzählung an vielen Stellen nicht sehr präzise, das betrifft einzelne Handlungsstränge als auch die geographische und zeitliche Einordnung.