In Ägypten hat sie gegen die Diktatur gekämpft
Dass Ägypten eine menschenverachtende Diktatur ist, geht bei uns in der öffentlichen Wahrnehmung unter dem Radar durch. Diese wird dominiert von Iran, Ukraine, Gaza. Der Film von Nancy Biniadaki hilft – auf geschickte Weise – etwas nach.
Maysoon (Sabrina Amali) hat in Ägypten an der prominentesten Uni Ägyptologie studiert. Gleichzeitig war sie aktiv gegen die Diktatur. Sie ist nach Deutschland geflohen – mit schlimmen Folgen für ihre in Ägypten zurückgebliebene Familie.
In Berlin hat Maysoon eine Anstellung weit unter ihrer Qualifikation beim ägyptischen Museum als Tour-Guide. Sie hat den Waschlappen von Typ Tobi (Florian Stetter) kennengelernt; bei dem hat man schon wegen seiner tönende Stimme das Gefühl, dass da wenig Charakter ist, dass da einer versucht, an der Oberfläche die Dinge in Ordnung zu halten. Der ist Architekt mit Visionen und einem dagegen mittelmäßigen Job bei einem Architekturbüro.
Maysoon und Tobi leben unverheiratet zusammen, haben zwei entzückende Kinder, die noch betreut werden müssen.
Nancy Biniadaki fängt ihren Film anders an. Extensiv schildert sie das glückliche Familienleben von Maysoon und Tobi mit den Kindern. Ein glücklicher Tag am Strand. Sie lachen, spielen, scherzen, schwimmen.
Der Film verfolgt die Familie weiter in ihrem Alltag. Tobi bleibt oft lange in der Arbeit. Irgendwas stimmt nicht mit ihm. Er druckst rum, sucht das Gespräch zu Maysoon. Er gesteht ihr, dass er sie mit seiner Chefin Julia (Susanne Bormann) betrogen habe.
Ab hier wirkt der Film wie ein Experiment, wie ein Forschungsobjekt. Es scheint, dass er sich fragt, wie gehen die beiden mit dieser Situation um. Und es scheint weiter, dass hier viel geprobt und auch improvisiert worden ist.
Nach und nach legt der Film frei, wie dieses Geständnis in das Bewusstsein von Maysoon einsickert. Wie es sie von innen zu zerfressen droht. Wie es sie lähmt. Wie es sie schier irre werden lässt. Der Konflikt nimmt zusehends archaische Dimension an, denn Mysoon ist eine Kämpferin, sie riskiert alles, sie ist nicht zu haben für billige Patchworkfamilyfantasien. Sie ist zutiefst enttäuscht.
Immerhin gibt es noch Menschen um sie herum, denen sie halbwegs vertrauen kann, die sich um sie kümmern. Da ist Karen (Zoe Valks) oder der ägyptische Kommilitone von damals Tamer (Josef Mohamed). Und die Kinder sind ja auch noch da.
Der Film arbeitet geschickt und wohldosiert mit Effekten wie Wind oder nur ein Windzug, der sich in einem sich bewegenden Vorhang zeigt; wohldosiert nimmt er zwischen die Stadtbilder Landschaft rein, der See, die Weite, der Himmel und er arbeitet mit einer wunderbar suggestiven Musik, gemischt aus den Liedern einer arabischen Sängerin und mit Anklängen zu Folkloremusik.