Kommentar zu den Reviews vom 19. März 2026

Kino ist Luxus. Die wahren Superreichen sind die Kinogänger. Wo die und mit wie wenig Aufwand überall hinkommen, dagegen ist ein Privatjet eine hochkomplizierte, wartungsintensive und noch megateure Angelegenheit. Und kommt lange nicht überall hin, wo das Kino spielend einen entführt, mit traumhafter Leichtigkeit, enthoben des irdisch-materiellen Organisationskrampfes, der das physische Reisen nach wie vor und selbst im Luxussegment umständlich macht. Kein Superreichtum kann jemanden so lange und so nah an ein greises Staatsoberhaupt und in dessen privaten Gemächer, auf die Dachterrasse des Quirinals bringen. Kein Superreichtum kann so eine originelle, unterhaltsam-katstrophale Weltallreise organisieren wie Hollywood. Kein Privatjet kann jemanden so nah an eine ägptisch-deutsche Liebesbeziehung bringen wie das Kino und schon gar nicht so hautnah und groß. Einen Einblick in das Leben als Kind einer später berühmten Künstlerin ist so gross und schön nur im Kino zu erhalten. Ok, mitten in die Sahara, da könnte der Superreiche noch hinjetten, müsste sich mit einer Armee von Bodyguards schützen; bleibt dem Kinobesucher erspart; er wird sogar mit dem Funktionieren der Innereien der dortigen Kommune bekannt gemacht. Meereswelten sind mit Geld allein so bezaubernd auch nicht vor die Augen zu kriegen. Zurück in die Vergangenheit mitnehmen, das kann so auch nur das Kino, vergangene, harte Zeiten wiederauferstehen lassen über eine anrührende Buben-Hund-Geschichte. Tierische Animationsvergnügen rund um einen Eisenbahnzug mit Lebensmitteln sind eh für Kinder jeglichen Backgroundes gemacht; wenn es ums Futter geht, werden sich Superreich und Ghetto gleich. Und wenn der Superreiche im Comedy-Club im Keller auftauchte, so fühlte er sich hoffentlich zu Recht deplaziert. Fußball dagegen verbindet wieder alle und das Kino hat ein paar exklusive, intime Einblicke parat. Auf DVD hofft eine Katastrophenfilmschlange um Aufmerksamkeit und ein junger Mann ist hin und weg von einem Popstar. Bei den Öffentlich-Rechtlichen gibt es enorme Niveauschwankungen. Ein Sonntagabendkrimi, der sich auf alte Erzähltugenden besinnt und ein Mittwochabendschwank, der ohne Schnaps kaum zu ertragen sein dürfte.

Kino
LA GRAZIA
Weise geworden im Staatsjob?

DER ASTRONAUT
Dreierlei aus Allotria, Niedlich-Alien und Katastrophe

MAYSOON
Culture-Clash-Ehe-Clinch

OLA FRIDA
Kunstfrüherziehung zu Frida Kahlo

ON THE BORDER – EUROPAS GRENZEN IN DER SAHARA
Kein Gejammere, konkrete Akteure

DIE WILDE NORDSEE
Reicher an Überraschungen als zu vermuten

MEIN FREUND BARRY
Bub aus dem Emmental um 1800 in Konvikt auf zugeschneitem Alpenpass

TIERISCH ABGEFAHREN – RETTET DIE PETS
Wenn ein Waschbär sich für einen Falken hält, obwohl er von Tauben großgezogen worden ist.

IS THIS THING ON?
Das Mikro war an und wurde dadurch zum Beziehungsclinch-Abflussrohrreiniger.

EIN SOMMER IN ITALIEN – WM 1990
Fußballmäuschen spielen dürfen

DVD
ANACONDA
Vom schweren Schicksal des Blockbuster-Seins

LURKER
Klamottenverkäufer dient sich Popstar als Muse an.

TV
POLIZEIRUF 110: ABLASS
Wenn Arme den Kopf für Reiche hinhalten.

SO HABEN WIR DICH NICHT ERZOGEN
Wollten die denn aus der Tochter eine Lesbe machen?

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