Is This Thing On?

Die U-Bahn gibt den nötigen Kick

Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) sind seit Jahrzehnten zusammen, irgendwann verheiratet, zwei Buben so um die zehn. Aber irgendwie, irgendwie. Die alte Geschichte mit den Ermüdungserscheinungen in einer Ehe.

Das Schicksal hat ein Einsehen. Das Paar befindet sich in der U-Bahn, kurz vor Abfahrt entscheiden sie, auszusteigen. Alex schafft es, Tess bleibt drin. Er stromert durch das nächtliche New York. Eine Musikkneipe zieht ihn an. Eintritt 15 Bucks. Die hat er nicht dabei oder will sie nicht ausgeben. Wenn er auf der offenen Bühne auftreten würde, so brauche er keinen Eintritt zu bezahlen.

Schwupps steht er auf der Bühne, fängt an zu erzählen von seinen Eheproblemen. So schubst Bradley Cooper, der mit Will Arnett und Mark Chappell auch das Drehbuch geschrieben hat, seinen Protagonisten sanft und romantisierend in eine Comedy-Laufbahn hinein, die von der Authentizität und der kathartischen Wirkung von Kunst, in diesem Fall für den Künstler, erzählt.

Der Titel des Filmes dürfte darauf anspielen, ist das Mikrophon an, also, werde ich gehört, kann die Vermittlung zwischen eigener Erfahrung und Auditorium stattfinden, kann die Performance stattfinden.

Alex und Tess haben eine vorläufige Trennung vereinbart. Alex zieht aus und bezieht ein Appartement. Die Kartons packt er nicht aus. Die Kinder müssen abwechselnd betreut werden. Was Alex als Beruf hat, hat sich mir nicht erschlossen. Von Tess wird offenbart, dass sie eine bekannte Sportlerin gewesen ist, im Nationalteam der USA. Ein Bild von ihr, das ist nun dick symbolisch, hängt an der Wand. Sie bei einem Luftsprung beim Korbball von hinten fotografiert, ohne Gesicht.

Der Film wird das ändern. Alex macht durch seine selbtreflexiven Comedy-Auftritte eine Entwicklung durch. Dazu gehört das Ventilieren des neuesten Standes seines Beziehungsclinches, auch eines Seitensprunges.

Manches mag etwas bemüht wirken und auch kompliziert herbeigeführt. Der Abend, an dem Alex die Kinder hüten müsste, sie gestresst bei den Großeltern absetzt, weil auch Tess unmöglich kann wegen einem wichtigen Date, wird die Wende einleiten. Er muss kurzfristig im Comedy-Club einspringen. Und, wer hätte das erwartet, Tess sitzt mit ihrem Begleiter im Publikum. Das ist dramaturgisch der Tiefpunkt der Beziehung. Von da an fängt die Wiederannäherung und die Selbsterkenntnis an.

Der Film ist ähnlich wie kürzlich Song Sung Blue eine liebevolle Hommage an die Kleinkunst, hier an die Stand-Up-Comedians. Für ein Gegengewicht gegen die etwas behäbige Erzählweise sorgen die unruhige Handkamera und die oft aufgekratzt wirkende Musik, häufiges Durcheinanderreden, überhaupt eine laute Tonspur und aufgeregtes Acting. Es gibt Bonmots zur Kunst, sie soll unschuldig sein, sie sei ein „safe space“, sie könne Therapiefunktion ausüben.

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