Allotria, Katastrophen und Niedlich-Alien im All
mit Ryan Gosling und Sandra Hüller als Gegenpart auf Erden, was den deutschen Zuschauer schon mal riesig freut, sie in einem Hollywood-Blockbuster ebenbürtig mit einem Weltstar zu sehen.
Ryan Gosling ist Lehrer Grace, der ein Forscher zugleich ist in ganz speziellen Weltraumbereichen. Er kann Petrova-Proben vom Petrova-Strahl isolieren und untersuchen. Wegen dieser Fähigkeit wird er von Sandra Hüller als Eva Stratt, ihre deutscher Herkunft wird sie in einem Satz zu erkennen geben, dass sie in Ostdeutschland in einem Chor gesungen habe, auf Weltraummission geschickt, er, der keine Ahnung vom Astronautentum hat.
Da möchte man kurz auf die Musik im Film von Phil Lord und Christopher Miller nach dem Drehbuch von Drew Goddard nach dem Sci-Fi-Roman von Andy Weir eingehen. Die ist leicht, gerne ironisch, setzt auf Tango und folkloristische Elemente, wenn nicht gerade die Untermalung von Katastrophen und rasenden Fahrten durchs Welltall gefragt ist.
Gosling allein im All. Seine zwei Mitreisenden sind tot. Er wird nicht allein bleiben. Aber es wird keine Geschichte wie bei Gravity mit George Clooney.
Es wird erst eine unerhaltsame Allotria-Geschichte. Ein Typ, der allein und ein Laie in einem Raumschiff im All ist. Er sieht abenteuerlich abgerissen aus. Es schleudert ihn hin und her. Er ist ein Dilettanten-Astronaut. Dieses Programm der Überforderung absolviert er mit dem ihm eigenen, schuljungenhaften Humor. Linkisch im Weltall. Wenn das mal kein Vergnügen ist.
Die Filmemacher wollen mehr. Sie lassen ihn mit komischen Nummern eine Art Flaschenpost von einem anderen Raumschiff zukommen. Es folgt eine Rührgeschichte mit einem Niedlich-Alien ohne Gesicht und Kopf. Das bewährte Prinzip einer aufkommenden Kommunikation wird eingesetzt. Warum er aber vorerst gebrochenes Deutsch spricht, ist nicht unbedingt einleuchtend. Er macht diese bewährten Anbiederlaute kleiner, aufmerksamkeitsbedürftiger Wesen, ohne die das Kino oft glaubt, nicht auskommen zu können. Es sind Laute, die unmittelbar an die Empathieinstinkte appellieren.
Damit er nicht in Süße verzuckert, wechselt der Film, wie es um den Rückflug geht, in den Katastrophenmodus. Das beherrscht die Hollywoodinstustrie aus dem Effeff mit schnell aneinandergeschnittenen Details und einem Sound, dass die Kinosessel beben.
Vielleicht fand der Film selbst, dass das möglicherweise etwas viel ist und so bastelt er sichtlich bemüht einer Suada gleich daran, die Erzählsäcke wasserdicht abzuschließen in einer schier endlosen Endschlaufe.