Good Luck, Haver Fun, Don’t Die

Tabubruch mit Folgen

Der reale Boden für diese schwarze Satire auf die moderne Kommunikationswelt von Gore Verbinski nach dem Drehbuch von Matthew Robinson ist ein schlichtes Diner in L.A.

Schnelle, kurze Detailimpressionen geben einen Eindruck von der Stimmung. Jeder Gast ist mit dem Bildschirm seines Handys befasst. Dies als realistische Filmfiktion zu schildern, öder ginge nicht. Wir kennen das alle aus verschiedenen Öffentlichkeiten, rund um einen herum wie eine chinesische Terrakotta-Armee, die Menschen stumm versunken in ihre Handys. Hier schlägt hart und brutal der Satirehammer zu.

Der Mann aus der Zukunft (Sam Rockwell) bricht in diese Diner-Friedhofsruhe ein. Er ist originell gekleidet, selbstgebasteltes, verrücktes Kostüm, Plastik wie aus dem Müll, verdrahtet am ganzen Leib, gespickt mit Sprengstoff, die Illusion des Selbstmordattentäters, bewehrt mit einer Art selbstgebastelter Pistole, die mehr an eine Wasserpistole erinnert, fuchtelt er herum.

Er will die Welt vor der alles beherrschenden KI retten. Dazu braucht er ein Team, das er sich aus den eingeschüchterten Gästen zusammenstellt. Sie müssen erst mal aus dem Diner, das inzwischen von der Polizei umstellt ist, herausfinden.

Der Film schwenkt so in die Spur jener Abenteuerfilme einer wild zusammengewürfelten Gruppe aus lauter Menschen, die für solche Dinge nicht unbedingt prädestiniert und präpariert sind.

Es gibt noch die zweite, halbwegs realistische Erdung der Story, die sich später zeitweilig wie in einem Videogame selber zu verlieren droht. Es ist die Glenthurst High School. Mark (Michael Pena) springt als Ersatzlehrer ein. Ehrlich bemüht versucht er, die Schüler, die nur mit ihren Handys beschäftigt sind, für Anna Karenina in Buchform zu begeistern. No Chance. Aus lauter Verzweiflung starrt er einer Schülerin auf das Handy, ist nicht unfasziniert von den rasch sich abwechselnden Bildern und begeht einen folgeschweren Tabubruch. Er erlaubt sich, mit dem Finger die Benutzeroberfläche des Handys zu berühren. Darauf verschwinden die Bilder und es taucht ein symbolträchtiges Dreieck auf, was der Film später einsetzen wird im Zusammenhang mit der KI-Religion.

Dort geht es in Richtung moderner Kunstinstallation, im Zentrum der KI mit dem kahlgeschorenen Gottboy (Artie Wilkinson-Hunt). Kunstmuseumsreife Bilder ergeben sich. Auf diesem Hügel sitzt er und traktiert seine Tastatur. Vor ihm eine helle Wand mit dem Dreieck.

Wie der Film das Handy-Zombietum durch den Kako zieht oder durch den Fleischwolf dreht, das könnte möglicherweise, dank absurder Gags, Kultpotential haben bei einer von KI und Social-Media-Zwängen gemarterten jungen Generation.

Der Film vergisst die Liebe nicht, die umso heilsamer rüberkommt, je mehr auf der anderen Seite apokalyptische Zustände beschworen werden.

Wie weit zwischen der Gruppe 47 , als welche sich die Survivaltruppe einmal bezeichnet, und der literarischen Gruppe 47 ein Zusammenhang besteht, ist mir nicht direkt ersichtlich. Vielleicht das gemeinsame Thema der Revolution und der gesellschaftlichen Veränderung? Weitere akute gesellschaftliche Themen, die böse satirisch behandelt werden, sind Amokläufe in der Schule, das Klonen von Verstorbenen sowie als schräges Bild Massen von Teenage-Handy-Zombies; nicht Beängstigenderes als die Realität.

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