Das heiße Eisen Musk –
der doppelte Musk
Der Krösus unserer Zeit, der reichste Mann der Welt, wie er aktuell apostrophiert wird, der Amerikaner Elon Musk, scheint Angst und Schrecken zu verbreiten bis in unsere heile Film- und Fernsehwelt hinein, so dass diese öffentlich-rechtliche Doku von Andreas Pichler, der mit Anne von Petersdorff und Christian Beetz auch das Drehbuch geschrieben hat, sich nicht nur, wie aus dem Abspann ersichtlich, von mehreren Fachleuten hat juristisch beraten lassen, sondern sie sichert sich schon vor den Titeln ab, dass die Aussagen im Film die Sicht der Interviewpartner wiedergeben und nicht jene der Macher oder des Senders. Sicher ist sicher, Prozesse können auch hierzulande teuer werden.
Das zentrale Thema sind Fälle der Vertuschung von Konstruktions- und Funktionsfehlern beim Tesla durch Elon Musks Firma anlässlich von tödlichen Verkehrsunfällen mit dem Autopiloten.
Der Film selber hat zwei konkrete Fälle herausgepickt, Hinterbliebene und Experten befragt und stellt dem vergleichend dazu die Werbung für den Autopiloten gegenüber.
Ein wichtiger Fundus und Anlass für den Film ist die Recherche des Handelsblattes, dem „Die Tesla Files“ in die Hände geraten sind. Das ist ein interner Datenschatz der Firma Tesla, die offenbar sehr unbekümmert gehandelt hat, was den Schutz ihrer Daten betrifft. Sie sind einem Whistelblower zu verdanken. Aussagen von solchen sind ein Bestandteil des hier zusammengestellten Materials.
Der Film zeichnet das Bild eines doppelten Musk. Da ist der junge, fiebrige Visionär und Technikfreak. Für den ist das elektrische Auto nur Teil einer umfassenderen Zukunftsvision vom Menschen. Musk bastelt schon am Elektroauto herum, wie die behäbige deutsche Autoindustrie noch den Vebrenner zu perfektionieren und Abgastestwerte zu manipulieren versucht.
Es ist ein chaotischer Haufen von besessenen Außenseitern zur Gründungszeit der Firma. Ruhezeiten, Arbeitsvorschriften, Sicherheit, das kümmert sie wenig. Hinzu kommt das charismatische Verkaufsgenie von Elon Musk, seine Begeisterungsfähigkeit. Aber auch eine Verantwortungslosigkeit sondergleichen, indem er den Autopiloten bereits als sicher hinausposaunt, wie der es noch lange nicht ist. Die Käufer glauben ihm.
Wie die ersten tödlichen Unfälle passieren, fängt die Firma an, die wahren Ursachen zu vertuschen. Aufschlussreich ist, dass sie jeden Tesla per Computer tracken, überwachen und manipulieren kann. Es gibt Aufnahmen von tödlichen Crashs von Kameras an den verursachenden Teslas. Das deutet auf eine hässliche, charakterlose Seite von Musk. Die kommt zum Tragen, wie er Twitter kauft und sich dort äußert, das zeigt, wes Geistes Kind er politisch ist und erst recht, wie er mit dem jetzigen Rowdie im Weißen Haus zusammenarbeitet, mit Magafratze affige Politauftritte hinlegt, als ob er Diktatorengesten extra eingeübt habe.
Der Musk von früher ist nicht wiederzuerkennen; er ist verkommen zur Farcefigur. Auf die Politik eingelassen hat er sich offenbar nur aus dem Grund, weil mehrere Verfahren wegen Unfällen mit dem Autopiloten gegen ihn und Tesla anhängig sind und er dank seinem Einfluss im Weißen Haus, das zeigt eine eingespielte Anhörung, die Staatsanwälte, die ihm hätten gefährlich werden können, von Trump hat schassen lassen. Ein Trauerspiel.