Leben und Schmerz
Leben, Liebe, Sehnsucht, Lust, Schmerz, Missbrauch, Kunst, Lebensgier, Begriffe, die in inniger Verquickung zueinanderstehen, aufwühlend, thrillend, beklemmend, ekelerregend, abstoßend, anziehend, unbegreiflich, nicht in Begriffe zu fassen und zu fesseln, nicht festzulegen, nicht festzuschreiben, vielleicht zum Hinausschreien, so wie der Film Titane, so wie der Film The Substance, vielleicht auch Animale oder wie kürzlich Smalltowngirl.
Die Autorin Lidia Yuknavitch ist in diese Gefühls- und Schmerzwelten eingetaucht, oder wurde hineingeworfen, sie hat sie erlebt und erlitten, sie hat ein Buch darüber geschrieben. Kristen Stewart hat das zu einem Drehbuch umgearbeitet und mit Imogen Poots als Lidia teils fragmentarisch, teils impressiv, atemlos mit Handkamera verfilmt, radikal subjektiv.
Entfernt denkt man auch an den Film 22 Bahnen, bei dem das Wasser und das Schwimmen eine wichtige Symbolik übernehmen.
Lidia wird vom Vater zum Wettbewerbsschwimmen gezwungen, förmlich gepeitscht, gequält. Aber sie ist nicht gut genug, um ein ganzes Uni-Stipendium zu erhalten, Halbstipendium, Dreiviertel. Dann hat ein Bundesstaat doch noch ein Einsehen.
Einen künstlerischen Verweis gibt es auf Amazing Grace. Die hatte auch ihre Erlebnisse. Kristen Stewart geht direkt auf ihre Protagonistin ein, sie sieht Details drum herum, die alle etwas erzählen, sie vermeidet jegliches Gewicht auf Ausstattung; es geht ihr um die Sache, um den Schmerz, wo er entsteht, wo er ausgetragen werden muss.