Wir lieben Ginger Rogers
Wir lieben das alte Hollywood, das könnte der Untertext, der Hintertext hinter dieser Frankenstein-Story von Maggie Gyllenhaal sein, eine Verehrungsgabe an das amerikanische Kino von anno dunnemals, der Roaring Twenties, ein Kino, das sich nach rückwärts wendet, vielleicht, weil unsere Zeit unappetitlich genug ist?
Der Film fängt in Chicago an. Frankenstein (Christian Bale), gut verhüllt mit Mantel, Hut und Tuch um den Mund, narbig geschminkt, taucht hundert Jahre nach seinem Tod, etwa 1920, in der Praxis von Dr. Euphronius (Annette Bening) auf. Er ist auf Brautsuche, sie soll ihm bei der Brautschau, genauer, bei der Beschaffung und also Wiederbelebung einer weiblichen Leiche behilflich sein.
Schon sieht man die beiden beim Buddeln in einem Friedhof. Schon liegt die Frauenleiche (Jessie Buckley) auf dem Tisch von Dr. Euphonius. Sie setzt ihre Maschinerie in Gang. Hier denkt man kurz an den bestens in Erinnerung gebliebenen Film Poor Things von Yorgos Lanthimos. Sollte man besser beiseite schieben den Vergleich, um nicht enttäuscht zu werden.
Man sollte sich darauf einstellen, dass Maggie Gyllenahaal das Frankensteinthema offenbar vor allem nutzen möchte, um das alte Hollywoodkino zu rekapitulieren, auf ihre Art wiederzubeleben, so wie Dr. Euphronius es mit den Leichen handhabt.
Denn bald werden die Braut und der Bräutigam zusammen auf Tour sein, wie einsten Bonny and Clyde. Sie haben die Polizei auf den Fersen. Hit and Run. Sie reisen nach New York. Sie werden in den Medien bekannt, sie müssen immer wieder türmen, sie tauchen auf Feten auf, sie gehen ins Kino zusammen. Das ist die Chance für den Film, Ginger Rogers und Fed Astair hervorzukramen in Schwarz-Weiß und mit Ton. Ja, Frankenstein ist so begeistert, dass er zum Nachtänzer wird.
Der Film ist eine Reise in die Vergangenheit, suhlt sich dort und lässt ab und an Mary Shelly in Schwarz-Weiß wie in Trance erscheinen, als ob das fiebrige Träume der unsterblichen oder wie ihr Monster irgendwie auch nicht sterben könnenden Autorin sind. Einmal gibt es im Kino sogar eine 3-D-Vorstellung.