Innerer Kompass
Sebastians innerer Kompass kennt nur eine Richtung: Meer, Wellen, Surfen.
Das muss er als Bub gespürt haben, wie er das erste Mal mit den Eltern und der kleinen Schwester den Sommerurlaub am Meer verbracht hat. Er bekam dazu ein Surfbrett. Das lässt der Bub nicht mehr los, das lässt den Buben nicht mehr los.
Sebastian wächst weit entfernt vom Wasser auf in der fränkischen Stadt Nürnberg. Er muss mit dem Vorlieb nehmen, was sich dort bietet, Binnenseen, auf denen Windsurfen möglich ist. Er verschlingt alles, was er über das Surfen zu lesen auftreiben kann, es sind vor allem Magazine. So erfährt er von einer Surf-Schule auf Hawaii. Der 17-jährige lässt alles hinter sich, Familie, Heimat, Deutschland und vor allem, das Festland und kann auf Hawaii fast voll und ganz seinem Hobby frönen.
Peter Wolf und Axel Gerdau kreisen diesen inneren Kompass des Surfers Sebastian Steudtner mit einer Montage von Talking Heads aus dem familiären wie auch dem beruflichen Umfeld ein: Mutter, Vater, Schwester, Surfer, Journalisten, Trainer, ein Surf-Shaper, ein Surf-Entrepreneur, Surf-Historiker, Menschen aus Hawaii, zu denen er familiären Anschluss gefunden hat.
Sebastian Steudtner ist ein Außenseiter in der Branche. Auf Hawaii lernt er die Surfer der Big Waves kennen. Er ist dank seinem inneren Kompass, der Begriff kommt allerdings in der Doku nicht vor, der ist sozusagen, der Weiße Elephant im Raum, fokussiert auf die nächst größere Welle.
Sebastian will leben vom Surfen. Das geht nur über das Gewinnen von Auszeichnungen. Er gewinnt diese für die größte Welle im Jahr 2010. Die Verleihung wird zum Eklat. Da nimmt Amerika den saumäßigen Benimm der Trump-Ära vorweg. Die Pfründen-Inhaber der Surfwelt verweigern sich ihm. Es zeichnen sich keine lukrativen Verträge ab.
Aber der Mann gibt nicht auf. Er fährt zurück nach Deutschland. Er trainiert weiter. Überwindet eine Zeit als Landratte. Die Wellen lassen ihn nicht los. Er surft in Irland. Dann winkt Nazaré in Portugal. Hier brandet eine der berühmtesten, der höchsten und gefährlichsten Wellen an.
Es entstehen durch das Surfen Freundschaften, die unerlässlich sind. Auch seine Liebe findet er. Und endlich den lang begehrten Durchbruch, wie wir es so nennen wollen. Die finanziellen Mittel fließen. Der Surfstar bewohnt mit Frau, Kind und Hunden eine Villa mit Blick auf die Welle von Nazaré.