Intelligenz
Mit Intelligenz kann der Mensch viel erreichen, kann vielleicht die Welt zu einer besseren machen, kann Träume haben und realisieren, kann hindernde Umstände bewältigen – und doch nicht alles.
Die 14-jährige Nawi (Michelle Lemuya Ikeny) ist ein hochintelligentes Mädchen. Die Intelligenz dürfte sie von ihrer Mutter Rosemary (Michelle Tiren) haben. Eher weniger vom Vater Eree (Benson Ochungo Obiero). Der herrscht wie ein Patriarch über seine Familie in der rückständigen Gegend Turkana in Kenia.
Man lebt in Hütten. Die sind einfach eingerichtet. Ein Fahrrad im Dorf ist der absolute Luxus. Die Frauen müssen das Wasser aus vertrocknenden Löchern holen und in Kanistern ins Dorf tragen. Sie müssen kochen und Kinder gebären.
Rosemary ist nur eine von Erees Frauen. Immerhin gibt es eine Schule in der Nähe. Die besucht Nawi und ihr Bruder Joel (Joel Liwan).
Der Film von Vallentine Chelluget, Apuu Moruine und Kevin Schmutzler, der auch das Drehbuch geschrieben hat mit Tobias Schmutzler und Milcah Cherotich nach einer Story, die sich auf wahre Begebenheiten beruft, verfolgt zwei Handlungsstränge.
Nawi ist in der Schule die allerbeste mit einer brillanten Abschlussprüfung, so dass sogar das Fernsehen darüber berichtet. Ihr Traum ist es, die Dorfwelt hinter sich zu lassen und nach Nairobi ans Gymnasium zu wechseln, zu studieren und einen akademischen Beruf auszuüben. Sie schreibt ihre Träume in ein Tagebuch, das ihre Lehrerin Madame Christine (Nyokabi Macharia) ihr geschenkt hat.
Madame Christine ist gleichzeitig Kinderschutzbeauftragte. In der Gegend sind Kinderbräute noch Tradition, obwohl inzwischen gesetzlich verboten. Das ist der andere Storystrang, der mit den Bildungsträumen von Nawi in Konflikt gerät. Ihr Vater hat Schulden. Der reiche Shadrack (Ben Teke) möchte das Mädchen heiraten und wäre bereit, einen stolzen Preis dafür zu bezahlen, 200 Ziegen. Nawi sträubt sich dagegen.
Wie Nawi diesen Konflikt mit ihrer Intellgienz und auch Schlauheit angeht und teils abenteuerlich löst, was sie aber auch für einen Preis dafür bezahlt, erzählt der Film als spannende Geschichte, der jegliche Afrikatümelei und Drittwelt-Nichtsoganz-ernstzunehmende Attitüde fehlt. Einzig die Musik suhlt sich gelegentlich zu sehr in einem wenig differenzierten Feelgoodmood.