Lebensbestimmerinnen – Dramen und Katastrophen
Die Mutter ist schlechthin die Lebensbestimmerin für einen Menschen, schon in der Schwangerschaft, nach der Geburt, beim Heranwachsen, oft bis zum Tod von ihr oder ihres Kindes.
Die Mutter ist die elementare Beziehung eines jeden Menschen und wehe, diese Beziehung funktioniert nicht, wehe, die Mutter ist überfordert oder gar nicht da, ein beliebig ausweitbares Thema.
Die Gebrüder Jean-Pierre und Luc Dardenne haben ihren Fokus klugerweise eingeschränkt auf sehr junge Mütter und, es ist ein Spielfilm, der Jessica (Babette Verbeek), Juie (Elsa Houben), Ariane (Janaina Halloy), Perla (Lucie Laruelle) und Naima (Samia Hilmi) in einer großartigen Doku-Proche Art über ein Stück ihres Lebens verfolgt.
Es sind humanitäre Katastrophen, die sich hier abbilden, aber die alle, aus erzählttechnischen und verdauungstechnischen Gründen, ein gutes, mindestens ein hoffnungsvolles Ende finden. Es werden verschiedene Varianten von Katastrophen ventiliert.
Die Mutter, die ihre Kind gleich wieder weggeben möchte, jene, die nichts empfindet, wenn sie das Kind im Arm hat, die aber selber von ihrer damals noch sehr jungen Mutter zur Adoption freigegeben wurde, und die ihre leibliche Mutter, jetzt, wo sie selber ein Kind hat, wenigstens kennenlernen möchte.
Die Mutter, die drogengefährdet ist, jene, die vom Erzeuger ihres Kindes verlassen wird; er möchte nichts davon wissen. Jene, deren Mutter wiederum in einer gewalttätigen Beziehung steckt und selber schnell handgreiflich wird gegen die Tochter, die sich fast wie eine leiblich Mutter ihr Enkelkind unter den Nagel reißen möchte, für dieses ein Kinderzimmer eingerichtet hat und die flehentlich schwört, nie wieder gewalttätig zu werden.
Es sind Beispiele vom exakten Gegenteil einer intakten Familie. Stabilsierend steht das Heim für solche Mütter da; hier werden sie beraten und unterstützt. Aber wenn junge Mütter selbst nicht zuverlässig sind, ihr Kind einfach nicht abholen, da wird guter Rat teuer.
Es sind irre Konflikte, in die diese jungen Frauen geraten und die Dardenne-Brüder bleiben ihnen mit ihrer Kamera dicht auf den Fersen, lassen eine Nähe zu den Ereingissen und Schicksalen entstehen, wie sie so nur das Kino bieten kann.
Eine junge Mutter schreibt vorsorglich einen Brief zum 18. Geburtstag ihres Kindes, offenbart sich, gibt die Gründe für die Weggabe bekannt, dass es in ordentlichen und gesicherten Verhältnissen aufwachsen soll; dass es aus Verantwortung oder der Erkenntnis, diese nicht übernehmen zu können, dem Pflegekindschicksal anheim gegeben wurde.