Twenty One Pilots: More Than We Ever Imagined

Außergewöhnliche, künstlerische Freundschaft

Der Film von Mark C. Eshleman ist in erster Linie ein Konzertfilm, wie sie zur Zeit gehäuft auf die Kinoleinwände drängen. Er ragt unter diesen hervor. Vielleicht nicht nur, weil der Regisseur die Band und ihre Konzerte offenbar lange und gut kennt, sondern auch wegen der ungewöhnlichen Konstellation von zwei Musikkünstlern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der eine, Josh Dun, der ist ein Typ wie ein Bodybuilder, muskulös, Drummer, hat den Schalk in den Augen. Er ginge gut als Personenschützer von Tyler Joseph durch. Der ist der Sänger, der Protagonist des Duos, wohl auch das Mastermind. Seine Musik scheint Millionen zu bewegen.

Das Stadion in Mexiko („Vivir es increible“) jedenfalls kann all seine Songs mitsingen. Wie Twenty One Pilots auf ihrer Welttournee hier Station machen, wird die Dokumentation aufgenommen.

Es sind interaktive Konzerte, teils singt nur das Stadion; Tyler dirigiert, Tyler gibt vor. Er ist einerseits ein Sänger, der auch leise, besinnliche Töne zulassen kann, zarte direkt, der andererseits ein lässiger, geschickter Massenmanipulator ist. Er ist mit seinem federnden Gang, seinen jugendlichen Bewegungen ein Blickfang; einmal steht er mausbeinallein hoch auf einem Dach.

Der Film lässt die beiden vor dem Konzert in den leeren Rängen sitzen, über ihre Anfänge nachdenken, erstaunt feststellen, dass ein Traum wahrgeworden ist. Solche Backgroundclips bringt der Film in Schwarz-Weiß, in distinguiertem Schwarz-Weiß und mit exquisit ausgewählten Bildausschnitten. Auch Fahrten in Limousinen, Garderobeaufnahmen.

Im Konzert legen die beiden teils große Strecken zurück durchs Publikum. Sie treten auch mitten in der Menge auf; einmal steht Josh sogar auf einem Podest, das die Zuschauer mit ihren ausgestreckten Armen in die Höhe heben. Ein ander Mal darf ein Mädchen aus dem Publikum zu Tyler auf die Hebe-Bühne und ein Lied anstimmen. Es vergeht ungläubig schier vor Glück.

Gigantisch ist inzwischen, was solche Shows an Licht-, Sound- und Feuereffekten herstellen und teils auf meterhohen Bildschirmen projizieren; das ist alleweil was für das Auge. Das Publikum wird mit ihren Handys Teil der Lichtshow, es soll bei bestimmten Worten die Lichter in die Höhe strecken; wie bei einem Kanon, wird es dazu in Gruppen eingeteilt. Da gibt es eine Schnittmenge zu den Fischer Chören, die auch Massenereignisse waren. Das sind solche Konzerte immer und es ist konsequente Massenmanipulation. Das wollen die Besucher, eintauchen in den Fancorpus, Teil davon sein, etwas von ihren Idolen erhaschen.

Musikalisch ist das Duo auch für den Laien und Nicht-Aficionado erkennbar differenziert zugange, ganz im Gegenteil zur koreanischen Boygroup Stray Kids. Das Klavier auf der Bühne erinnert unmissverständlich an Zeiten, als das Duo noch in Clubs und Kellern aufgetreten sind; außer, dass jetzt unten ein Bündel an Kabeln rausschaut.

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