Kommentar zu den Reviews vom 26. Februar 2026

Nachdem die Berlinale am Wochenende kraftvoll politisch ihre Preise verteilt und damit die gesellschaftliche Diskursrelevanz des Kinos gestärkt hat (ein deutscher Bundesminister schien davon überfordert und musste dringend raus), gibt es noch mehr Gründe, ins Kino zu gehen und neue Filme anschauen! Es lohnt sich! Kino hat mit der Welt zu tun, wird dadurch noch wichtiger als ein Ort, wo wir einmal neunzig Minuten oder hundert oder zwei Stunden oder mehr ungestört uns ohne Hickhack konzentrieren können und das im Gefühl des Nicht-Alleinseins, des Nicht-Verlorenseins, des nicht Ausgeschlossenseins, des Aufgehobenseins in einer Gruppe von Menschen die ähnlich das Menschliche, das Wahre, das Schöne, die Aufregung, den Streit und die Versöhnung oder was auch immer die Filme bieten, suchen. Diesmal aus Japan ein Experiment mit einem breitgefächerten kulturkanonartigen Huscher zu einem urmenschlichen Instinkt, der kultureller Kompensation bedarf. Aus der Schweiz kommt fein filettiert ein Gerichtsfall aus einer Zeit, als die Männer noch wie die Affen glaubten, mit Trommeln auf die Brust die Welt und vor allem die Frauen zu beherrschen. In Mexiko kann eine differenzierte Musikkünstlerfreundschaft vor megagroßem Auditorium beobachtet werden. In Brasilien treiben zwei Promis es riskant öffentlich. Aus den USA präsentiert sich ein Oscarbegieriger als verstaubter Anpasser, ein Schauspiel für sich. Wer international dreht, kann international Fördergelder abschöpfen; und wenn er ein allgemein verständliches, materialistisches Thema sich vornimmt, steht dem Öffnen der Geldhähne nichts mehr im Wege; auch das ein Spektakel der Sonderklasse. Ein Amerikaner nimmt uns mit in seine geheime Schatzsammlung über einen von ihm verehrten grandiosen Weltstar von Sänger. In Deutschland bleiben sie auch auf der Besitzebene: eine Frau haben oder haben wollen, wird da von guten Schauspielern zum Thema gemacht verbunden mit einer Hommage an ein fränkisches Residenzstädtchen. Auf DVD kann man sich in den Irlandkonflikt hineinziehen lassen anhand der Auswirkungen auf ein Brüderpaar.

Kino

SCARLET
Das Rachethema ungeniert kultureklektisch animiert

FRIEDAS FALL
Exzellent gearbeitetes Justizdrama

TWENTY ONE PILOTS: MORE THAN WE EVER IMAGINED
Ungewöhnliches Künstlerduo

NIGHT STAGE
Je öffentlicher, desto prickelnder

MARTY SUPREME
Da will einer mit allen Mitteln einen Oscar gewinnen.

FATHER MOTHER SISTER BROTHER
Triptychon mit Emphase auf dem Spießigen

EPIC: ELVIS PRESLEY IN CONCERT
Footageclip-Montage eines Fans

EIN FAST PERFEKTER ANTRAG
Betonung liegt auf „fast“.

DVD
ANEMONE
Zwei Brüder und ein Erbe

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