Friedas Fall

Als die Männer noch die Herren der Schöpfung waren.

Dieses spannend erzählte Justizdrama beruft sich auf eine wahre Begebenheit.

Die Frage ist nicht, wer der Täter ist bei einem Kindsmord 1904 in einem Wäldchen bei St. Gallen in der Schweiz. Die Frage ist, wie geht die Gesellschaft damit um, dass eine Frau ihr eigenes Kind tötet.

Zum selben Thema gab es jüngst den viel beachteten französischen Film Saint Omer.

Auch der Film von Maria Brandle, die beim Drehbuch von Michèle Minelli und Ko-Autor Robert Buchschwenter mitgearbeitet hat, kann sich sehen lassen. Er besticht, beginnend mit dem Drehbuch, durch die immense Sorgfalt, mit der die Geschichte herausgearbeitet wurde.

Nach der Entdeckung der Knabenleiche stößt die Polizei schnell auf dessen Mutter, Frieda Keller (Julia Buchmann). Sie gibt die Tötung sogleich zu, kommt in Untersuchungshaft. Sie stammt selbst aus schwierigen Familienverhältnissen. Sie ist alleinstehend, ledig, arbeitet als Schneiderin, leidet unter häufigem Kopfweh (dagegen nimmt sie Weidenrinde) und lebt im Haushalt ihrer Schwester Bertha (Lilian Amuat). Dafür zahlt sie gutes Kostgeld.

Frieda schuldet dem Heim Geld, in welchem sie ihren Buben untergebracht hat. Das Heim schmeißt den Buben raus. Da sie ihn vor ihrer Umgebung versteckt hält, weiß sie nicht mehr ein noch aus.

Stefan Merki als Staatsanwalt Walter Gmür ist der Hauptrepräsentant für das damalige erzreaktionäre Weltbild der Männer; vielleicht etwas schwer zu spielen, da uns diese Haltung doch ziemlich platt vorkommt; er fordert ohne weitere Untersuchung die Todesstrafe und verbindet den erwarteten Prozess mit seiner Kandidatur für den Großrat.

Gmürs Frau Erna (Rachel Braunschweig) ist herzlicher, fortschrittlicher, mitfühlend, humaner. Sie besucht die Täterin im Gefängnis, ja sie lässt sogar den Anwalt Arnold Janggen (Maximilian Simonischek) heimlich zu ihm; ein Recht, was ihr Mann dem Anwalt verweigert.

Dadurch, dass Janggen Frieda dazu bringen kann, ihr Leben aufzuschreiben und Details dank dem Prozess an die Öffentlichkeit geraten, wird diese aufgewühlt, sie fordert die Abschaffung der Todesstrafe. Auch das Thema des „schandhaften Fräuleins“ sickert in das Bewusstsein der Menschen ein, dass nicht immer nur die Geschwängerte die Schuld dafür trägt.

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